Web Apps

Es ist schon merkwürdig: Erst sind sie alle über Apple hergefallen, weil die ihre Marktstellung nutzen, um App-Entwicklern Vorgaben zu machen, neue Apps und Updates im Schnitt eine Woche überprüfen, bis sie sie freigeben, und nicht zuletzt sogar Bezahlsystem und Preisschritte vorschreiben. Der Vorwurf resultiert daraus, dass das Unterordnen für Appentwickler alternativlos sei. Meint man. Ist aber gar nicht so. DIe „Financial Times“ hat jetzt vorgemacht, dass es auch ohne Apple geht und man trotzdem mit einer App auf dem iPad und iPhone präsent sein kann. Die Financial Times Web App wird über den Safari-Browser installiert. Wer sie als festen Bookmark anlegt, kann sie auch offline nutzen und muss dafür nur etwas Speicherplatz berappen, bekommt dafür aber auch ein formschönes App-Icon. Auf den ersten Blick sieht man dieser Web App also gar nicht an, dass sie keine native ist.

Woran liegt das? Nun, es könnte daran liegen, dass nicht wenige der verfügbaren nativen Apps Etikettenschwindel betreiben. Oftmals ist nämlich nur das Gerüst des Programms nativ. Für das Layout kommen HTML5 mit CSS3 zum Einsatz, weil sie viel flexibler und schneller zu implementieren sind, als wenn man dies nativ nachbauen würde. Zugleich haben gerade Nachrichten-Apps häufig entsprechende Pendants für andere Plattformen. Um das Rad nicht für jede Plattform komplett neu erfinden zu müssen, ist es von Vorteil, das Layout bzw. die Inhalte über HTML5 anzuzeigen, da die Webkit-Engine zum Beispiel auch bei Android verwendet wird.

Zur Web App gehört freilich noch etwas mehr als der Unterbau, aber – um auf den Einstieg zurückzukommen: Es ist kein Geheimwissen. Apple hat schon seit Jahren Tipps und Hinweise für Web-App-Entwickler auf seiner Internetseite. Bislang hat man es nur vorgezogen, dies getrost zu ignorieren und stattdessen auf Apple zu schimpfen. Der Grund dafür ist der App Store. Web Apps tauchen nicht im  App Store auf. Zwar hat Apple eine eigene Übersichtsseite für Web Apps auf seiner Website eingerichtet. Doch die Veröffentlichung über den App Store ist komfortabler, man ist dort leichter zu finden und die Statistik-Tools sind auch nicht zu unterschätzen. Nicht zuletzt hat das Bezahlsystem Apples bei allem Tadel einen nicht wegzudiskutierenden Vorteil: Nahezu jeder iOS-Anwender hat einen iTunes-Account mit hinterlegten Zahlungsdaten.

Die Frage ist aber, ob Web Apps auf HTML5-Basis den nativen Apps künftig gefährlich werden können. Letztlich, so ist meine Meinung, hängt das davon ab, wie sehr die Entwickler von nativen APIs Gebrauch machen bzw. wie attraktiv deren Gebrauch ist. Push Notifications etwa sind eine Sache, die mit einer Web App nicht möglich, aber ungeheuer praktisch sind. Auch der NewsStand in iOS 5 darf als Vorstoß gewertet werden, die native App so attraktiv zu machen, dass gerade Nachrichtenanbieter ungern darauf verzichten möchten. Web Apps werden sich vielleicht nicht durchsetzen. Das App-Business beflügeln sie aber allemal. Das ist ja auch schon etwas wert.

http://developer.apple.com/devcenter/safari/index.action
http://techcrunch.com/2011/06/07/ft-bypasses-apples-itunes-launches-html5-web-app-free-access-first-week/

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