Review: Mac & i, Heft 5 [mit Interview]

Von Malte Kirchner

Es gibt Dinge, die kann einem kein E-Book bieten: Der markante Geruch einer frisch gekauften Zeitschrift etwa. Wenn Apple in sein nächstes iPad nicht zufällig eine Geruchseinheit einbauen sollte, bleibt dies wohl den Printmagazinen vorbehalten. Bei anderen Punkten wie der Aktualität haben jedoch die neuen Medien naturgemäß die Nase vorn. Besonders für die IT-Fachpresse ist dies eine Herausforderung. Mehr noch als Tageszeitungen und andere Zeitschriften müssen sie sich dem wachsenden Wettbewerb durch Internet-Medien stellen. Gerade in der schnelllebigen Techniknachrichtenwelt sind ein Monat oder gar ein Quartal eine halbe Ewigkeit. Und kaum eine Zeitschriftensparte hat so technikaffine Nutzer, die sich ihre Nachrichten im Netz besorgen.

Mac & i, eine Sonderheftreihe der altehrwürdigen c’t des Heise-Verlages in Hannover, hat deshalb keinen Aktuell-Teil. „Die Nachrichten würden zu schnell veralten“, heißt es zur Erklärung auf Seite 176 der aktuellen Ausgabe Nummer 5. Stattdessen setzt das Team um Chefredakteur Stephan Ehrmann auf Hintergrundberichte, Tests, Anleitungen und Neuigkeiten, die im Mainstream der RSS-Feeds keine so große Rolle spielen. Das Magazin, dessen fünfte Ausgabe derzeit in den Zeitschriftenläden liegt, existiert seit gut einem Jahr. Der Anspruch ist der gleiche wie bei der c’t. Damit unterscheidet sich Mac & i wohltuend von den zum Teil schon seit vielen Jahren bestehenden Mac-Zeitschriften am Markt, bei denen das Design oder die knackige Schlagzeile manchmal eine größere Rolle als der Inhalt zu spielen scheinen, oder die alte Neuigkeiten der vergangenen Monate zusammenfassen, was allenfalls Offline-Nutzer interessieren könnte.

wasgehtApp.com hatte Gelegenheit, Stephan Ehrmann einige Fragen zu stellen:

In Zeiten von Techblogs wird es für Printtitel immer schwieriger, Schritt zu halten: Wo sehen Sie die Stärken von Mac &  i gegenüber den zum Teil sogar kommerziell betriebenen Internetseiten wie The Verge?
Zunächst einmal findet man in Mac & i in der Regel sehr viel ausführlichere Beiträge als bei einschlägigen Blogs und Websites im Internet. Auch The Verge ist eher auf Nachrichten spezialisiert, weniger auf Hintergrundbeiträge. News lassen wir bei der gedruckten Mac & i aber bewusst weg, die finden ausschließlich auf mac-and-i.de statt. Nun gibt es natürlich auch tiefergründige Webseiten mit Apple-Focus, etwa Anandtech, doch die bringen nur wenige Artikel in der von uns üblichen Tiefe – und sind obendrein englischsprachig. Trotzdem bekommen wir immer mal wieder Anfragen aus den USA, wann wir endlich eine englische Version von Mac & i starten. Wenn Sie sich den internationalen Print-Markt ansehen, werden Sie nichts vergleichbares finden.

Mac &  i ist ein Special der altehrwürdigen c’t: Gibt es außer dem gemeinsamen Qualitätsanspruch noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen den Titeln? Arbeiten die Redaktionen getrennt voneinander oder gibt es Synergien?
Die Redaktionen arbeiten zusammen, Mac & i ist sozusagen das Apple-Ressort bei c’t. Jeder Redakteur schreibt für beide Titel. Das Konzept war von Anfang an, die lange Wartezeiten zwischen den Erscheinungsterminen von Mac & i nicht nur mit der Website, sondern auch mit c’t zu kompensieren. Das klappt unserer Meinung nach auch gut.

Mac &  i gibt es auch für das iPad: Welche Rolle spielt das App-Angebot im Vergleich zur Printausgabe?
Es ist als Mehrwert zu verstehen. Abonnenten erhalten alle Artikel auch auf dem iPad gratis. Es gibt aber durchaus auch relativ viele Leser, die ihr Heft ausschließlich digital auf dem iPad kaufen und lesen und dabei noch zwei Euro sparen. Die Artikel werden derzeit 1:1 als PDFs übertragen, enthalten außer dem DVD-Download also nur wenig Mehrwert (Suchfunktion, Lesezeichen, direktes Anklicken von Webcodes). An einer App mit weiteren Funktionen und zusätzlichen Inhalten arbeiten wir derzeit.

Der aktuelle Titel macht auf mit der Datensynchronisation über iCloud. Leser erfahren, wie sie Apples Datenwolke als Groupware einsetzen können und erhalten wertvolle Tipps bei Problemen. Eher wenig neue Erkenntnisse gewinnen Blogleser aus dem Artikel über die nächste Mac OS X-Version Mountain Lion: Zu stark war das Thema bereits durch verschiedene Technikblogs besetzt worden. Etwas verloren stehtauch der wenige Seiten lange Artikel für Entwickler über das Automatic Reference Counting da. Das Niveau dieses Artikels übersteigt das anderer Themen, die eher an Nutzer gewandt sind, bei weitem. Für Entwickler ist der eine Artikel angesichts eines Heftpreises von 8,90 Euro jedoch kein hinreichender Grund, um das Magazin zu erwerben. Entweder sollte künftig noch mehr für Entwickler im Heft stehen – was im übrigen angesichts des dürftigen Angebots an guten iOS/Mac-Programmierzeitschriften sehr wünschenswert wäre – oder Mac & i sollte sich besser auf das wesentliche konzentrieren. Streiten lässt sich über den Wert einer Heft-DVD, die dem Magazin beiliegt. Kurioserweise hat sich diese Beigabe seit den Neunziger Jahren gehalten, obwohl dank Breitband-Internet und Flatrates die Mehrzahl der darauf zu findenden Inhalte bei Bedarf auch heruntergeladen werden kann.

Dazu Fragen an den Chefredakteur:

In Heft 5 gibt es einen Artikel über das Automatic Reference Counting. Ansonsten sind mir jedoch keine Entwicklerthemen aufgefallen. Ist in Zukunft geplant, mehr für Entwickler zu machen?
Die Entwicklerecke (Developer’s Corner) gibt es in jeder Ausgabe, aber mehr als diesen einen Beitrag pro Heft bringen wir vorerst nicht, dazu ist das Leserinteresse doch zu klein. Die Entwickler nehmen die Rubrik aber gerne auf, weil sie eine Menge lernen, was sie nicht an jeder Ecke im Web finden.

Ist eine Heft-DVD in Zeiten breitbandiger Internet-Verbindungen noch zeitgemäß? Und warum?
Nach unserer Erfahrung empfinden Leser am Kiosk ein Heft mit DVD wertiger als eines ohne. Zumal unsere DVDs stets auch etwas Besonderes enthalten, das man im Internet nicht gratis herunterladen kann. Wir versuchen, jedem Heft mindestens ein oder zwei Vollversionen mitzugeben, die bares Geld wert sind; in Heft 1 waren es sogar 17 Stück. Der DVD von Heft 2 lag die Vollversion des Top-Spiels Civilization IV bei, das regulär noch immer für rund 40 Euro etwa bei Amazon verkauft wird. Das ist die Ausnahme bei Heft-DVDs im Mac-Markt; viele enthalten lediglich Freeware. Ausschließlich solche Programme auf DVD zu verbreiten, die man im Internet auch bekommt, möglicherweise sogar schneller und aktueller, darin sehe ich auch keinen Sinn.

Doch damit hören die Kritikpunkte schon auf. Die meisten Artikel haben einen hohen Nutzwert, wenn man sich etwa für AirPrint, TV-Tuner am iPad, das Jailbreaking des Apple TV 2 oder Thunderbolt interessiert.

In vielen Artikeln ist zu spüren, dass sich die Autoren mit den Themen sehr intensiv auseinander gesetzt haben, so etwa beim Artikel über iBooks Author, wo auch auf die Problematik mit der US-Steuernummer eingegangen wird, die auch für deutsche Autoren nötig ist, um Bücher über iBooks zu verkaufen. Interessant ist auch die Betrachtung verschiedener Displayfolien, um das iPad zu entspiegeln. Auf einem Foto ist zu sehen, wie sich die Folien im Vergleich schlagen.

Die Liste der Themen ließe sich noch lange fortsetzen. Unter dem Strich ist Mac & i ein gutes Beispiel dafür, dass Print-Titel im digitalen Zeitalter sehr wohl eine Existenzberechtigung haben. Wer die knapp neun Euro investiert, bekommt etwas fürs Geld. Das kann beileibe nicht jede Fachzeitschrift von sich behaupten.

Heise Verlag: Mac & i, 8,90 Euro (mit Heft-DVD), im Zeitschriftenhandel erhältlich, mehr Infos: www.mac-and-i.de

 

Kommentar verfassen