Rundshow: Nettes und Netzwertiges

Rundshow heißt eine neue TV-Sendung, die im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist. Die Sendung ist ein Versuch, Internet und Fernsehen sinnvoll miteinander zu kombinieren. Der BR verpflichtete dazu mehrere bekannte Namen aus der Bloggerszene – ein Rendezvous mit dem Cyberspace, das durchaus charmant daherkommt.

Der Bayerische Rundfunk (BR) gehört nicht unbedingt zu den Sendern, von denen der geneigte Zuschauer das Beschreiten unkonventioneller Wege erwartet. Wir erinnern uns: Es gab Zeiten, da war es nicht ungewöhnlich, dass der BR sich schon mal aus dem Gemeinschaftsprogramm der ARD ausklinkte, um seinen Zuschauern bestimmte (Konflikt-)Themen zu ersparen. Nun, diese Zeiten sind fraglos vorbei und dieser Tage macht der BR obendrein mit einer Sendung bzw. einer Aktion auf sich aufmerksam, die ihn in die Reihe der (wenigen) innovativen Sender wie ZDFneo katapultiert.

Rundshow nennt sich eine neue Sendung, die von den weithin bekannten Bloggern Richard Gutjahr und Daniel Fiene moderiert wird. Nun ist das mit diesen großen Bloggerfiguren in Deutschland ja so eine Sache: Besonders bei Sascha Lobo fragt man sich ja manchmal, was der gute Mann eigentlich so Atemberaubendes getan hat, dass er von den traditionellen Medien im Gegensatz zu anderen talentierten Bloggern so hochgehalten wird. Vielleicht passen Paradiesvögel einfach allzu gut in das Klischee, das traditionelle Medien gerne von Bloggern zeichnen. Fiene und Gutjahr gehören vom Ansehen her erfreulicherweise nicht dazu und so ist auch die neue Sendung erfrischend normal.

Das Ganze ist ein Experiment. Bis zum 7. Juni soll die abendliche Sendung (Beginn zwischen 23.15 und 23.40 Uhr) soziale Medien mit dem klassischen Fernsehen verbinden. Und worüber redet man dort naheliegenderweise? Natürlich: Über das, was das Internet bewegt. Dabei geht es beileibe nicht nur um das Netz oder die Technik, sondern die Macher beschäftigen sich zum Beispiel auch mit den Ausschreitungen bei Fussball-Spielen oder um das neue Buch „Empört euch“. Damit wird aufgezeigt, dass das Internet längst kein geschlossener Raum mehr ist, sondern vielfältig in unseren Alltag hineinwirkt.

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch, dass auch das ZDF – sehr früh – einen Versuch wagte, eine Brücke zwischen Internet und Fernsehen zu schlagen. Die Sendung, die übrigens auch im Spätprogramm lief (Internetaffine Leute schlafen offenbar wenig), hieß Netnite und lief von 1996 bis 1997. Ein großer Erfolg war sie freilich nicht, aber wahrscheinlich war man seiner Zeit zu weit voraus.

Was beide Sendungen eint, ist, dass sie relativ unaufgeregt daherkommen – ein schöner Gegenentwurf zu diesen ganzen Cyberspace-Eskapaden, die private Sender und mitunter auch die öffentlich-rechtlichen ihren Zuschauern gerne mal zumuten. Was bislang von der Rundshow zu sehen war, ist vielleicht noch nicht das Maß der Dinge, liefert möglicherweise auch nicht massenhaft neue Erkenntnisse, ist jedoch im großen und ganzen ganz unterhaltsam, was in der ansonsten relativ innovationsarmen Fernsehwelt eine willkommene Abwechslung ist.

Wir werden uns diesen Feldversuch auf jeden Fall erstmal weiterhin ansehen.

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