Tim Cook über iOS 6, Siri und mehr

Das neue iOS 6, Facebook, Patente, der sagenumwobene Fernseher – kein Thema wurde beim lange erwarteten Auftritt von Apple-Chef Tim Cook bei der D10 AllthingsD–Konferenz des Wall Street Journals ausgespart. Und endlich durften mal andere die Themen setzen. Cook war bestens vorbereitet: Auf kaum eine Frage gab er keine konkrete Antwort.

Apple ist der professionellste Konzern der Welt, wenn es um Unternehmenskommunikation geht. Das ist keine Lobhudelei, sondern schlicht eine Feststellung. Ein Unternehmen, dass trotz seiner mittlerweile erreichten Bedeutung, unzähligen Mitarbeitern und Aktivitäten in aller Herren Ländern so erstaunlich dicht hält, versteht einfach etwas von Kommunikation. Das, was nach außen dringt, ist bis ins letzte Detail geplant und perfekt aufbereitet. Und selbst die Gerüchte, die jede Produktvorstellung begleiten, wirken manchmal so, als seien sie von der Unternehmenszentrale in Cupertino vorbereitet und bewusst lanciert worden.

Zu glauben, dass der Auftritt von Apple-Chef Tim Cook auf der D10 deshalb zu bahnbrechenden neuen Erkenntnissen führen könnte, ist dementsprechend naiv. Ein Medienereignis war es trotzdem: Allein die Tatsache, dass sich Cook dazu bereit erklärte, sich Fragen stellen zu lassen, reichte den meisten Onlinemedien als Nachricht aus. Und dann erst die Schlagworte: iOS 6, Facebook-Integration, Patentkrieg und der lang erwartete Apple-Fernseher.

Wer sich die Antworten aber mal genau durchliest, wird mitnichten große Neuigkeiten lesen. Cook sagt nur das, was sowieso auf der Hand liegt. In allen anderen Fragen äußerte er sich nebulös – das bietet viel Raum für Kaffeesatzleserei, aber die Keynote zur Beginn der WWDC Anfang Juni wird weitaus erkenntnisreicher sein, zumindest was die Zukunft des iOS-Betriebssystems angeht.

Eine Randnotiz, aber trotzdem interessant ist zumindest die Aufklärung, wofür das S im Namen iPhone 4S steht. Anders als weitläufig beschrieben, soll dieses S nämlich nicht für Speed (Geschwindigkeit), sondern für Siri, die Sprachassistentin, stehen. Fragt sich nur, ob Apple das mittlerweile so sieht oder ob das vorher schon der Fall war. Siri ist fraglos das Alleinstellungsmerkmal des iPhone 4S. Aus den Möglichkeiten, die der Dual Core-A5-Chip bietet, haben die Apphersteller bislang zumindest nur wenig herausgeholt.

Erfreulich ist die Ankündigung, dass Siri deutlich aufgewertet werden soll. Wünschenswert wäre dies vor allem für den deutschsprachigen Raum, denn die deutsche Siri ist bislang verglichen mit der englischsprachigen Variante noch ziemlich „dumm“. Dies liegt zum einen daran, dass es keine Verbindung mit der Wissensdatenbank Wolfram Alpha gibt. Zum anderen sind aber auch Funktionen wie die Steuerung der Maps-App hierzulande nicht möglich. Ach ja, und das Wetter in manchen Ortschaften (wie Wilhelmshaven) funktioniert immer noch nicht. Vielleicht erhält iOS 6 ja auch die ersehnte Siri-API, mit der Dritthersteller Siri für ihre Apps einsetzen können – dies wäre zum einen naheliegend und würde Apple zum anderen in der Attraktivität für Appentwickler deutlich aufwerten.

Wie gesagt: Unter dem Strich wenig neue Erkenntnisse, aber viel Wirbel. Den Auftritt von Cook gibt es auf diversen Seiten zum Nachlesen (z.B. bei t3n). AllthingsD hat aber auch die Videos online gestellt.

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