Lightning: Leider kein Geistesblitz

Apples Wechsel vom 30-Pin-Anschluss zum neuen Lightning-Kabel erhielt bei der Vorstellung des iPhone 5 nur wenig Beifall. In der Praxis hinterlässt der neue Anschluss gemischte Gefühle: Einige Dinge wurden deutlich verbessert. Anderes wurde leider nicht zuende gedacht. Lightning ist leider kein Geistesblitz.

Fangen wir mit dem positiven an: Jeder Nutzer des alten 30-Pin-Anschlusses hat mindestens einmal in seinem Leben blindlings versucht, das Kabel einzustecken und die falsche Seite erwischt. Nur ein kleines Symbol auf der Vorderseite deutet darauf hin, wie herum das Kabel anzuschließen ist. Nun ließ sich dieses Problem allerdings elegant lösen, indem man sich einfach ein Dock kaufte. Gerade auf Reisen und in schlecht beleuchteten Hotelzimmern war es aber immer wieder ein Ärgernis, das Kabel einzustecken. Lightning behebt das Einsteck-Problem, weil das Kabel von jeder Seite aus eingesteckt werden kann.

Es ist nicht ganz klar, was genau der Auslöser war, dass Apple mit dem iPhone 5 das Kabel gewechselt hat. Die Frage ist, ob die Veränderung vom Kabel ausging oder vom Telefon, weil der bisherige Anschluss für das neue Design einfach zu breit war. Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Letztgenannte ausschlaggebend war, denn mit dem Kopfhöreranschluss an der Unterseite wurde es einfach zu eng.

Dass ein Wechsel des Anschlusses zunächst einmal keinen Beifall erntet, verwundert nicht. Viele Nutzer haben über die Jahre Zubehörartikel und Kabel angehäuft, die durch den Wechsel entwertet werden. Der von Apple vorgestellte Adapter ist klobig und passt bei vielen Zubehörartikeln nicht. Der Ärger vieler Nutzer ist deshalb allzu verständlich, da der Wechsel allerhand Folgekosten mit sich bringt.

Es gab es aber zuletzt sehr wohl gute Gründe, den Anschluss zu ändern. Der 30-Pin-Anschluss ist nicht nur aufgrund seiner Größe veraltet gewesen. Leider aber ist Lightning nicht der erhoffte Geistesblitz.

Das fängt damit an, dass das Kabel erneut auf USB 2.0 basiert. Der Anschlusswechsel wäre die Chance gewesen, auch eine Thunderbolt- oder USB 3.0-Variante anzubieten. Die Datenübertragung zwischen iOS-Geräten und Computern ist schlichtweg zu langsam. Dies wird einem spätestens dann klar, wenn man ein iOS-Upgrade, wie zuletzt bei iOS 6, einspielt und viel Zeit vergeht, bis die alten Daten wieder auf dem Gerät sind. Es ist auch schlichtweg nicht verständlich, warum Apple kein Kapital aus dem Thunderbolt-Anschluss schlägt, den sie selbst vor der restlichen IT-Branche eingeführt haben.

Ein weiteres Problem des alten Anschlusses ist auch mit Lightning nicht behoben worden: Die Stolperfalle. Die Lösung hat Apple bei seiner MacBook Pro-Reihe schon seit Jahren im Einsatz. Der magnetische MagSafe-Anschluss hätte sicher viele iPhone-Besitzer vor Displayschäden bewahrt. Gerade Smartphones hängen häufig an der Strippe und angesichts des kurzen Kabels auch in Situationen, wo sie leicht einmal zur Stolperfalle werden.

Warum es vorläufig kein Apple-eigenes Dock mehr gibt, bleibt auch das Geheimnis der Kalifornier. Das Dock war nicht nur vom Platz her eine sinnvolle Einrichtung, es verlieh manchem Schreibtisch auch ein schöneres Aussehen, weil ein iPhone im Dock einfach eine Eleganz ausstrahlt, die es flach auf der Platte nicht hat.

Halbwegs verständlich ist da noch der Verzicht auf Micro-USB, das ja EU-weit die vielen eigenen Standards der Hersteller ablösen soll. Micro-USB hätte das Problem des Einsteckens nicht gelöst. Und es ist auch fraglich, ob es noch zeitgemäß ist, weil die Anforderungen an ein Kabel deutlich gestiegen sind und damit eine veraltete Technik zementiert würde.

Leider hat Apple aber die Chance vertan, dem etwas Einleuchtendes entgegen zu setzen.

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