iPhone 5C vs. iPhone 5S – Weniger ist mehr?

Es gibt diese These, die Instapaper-Erfinder Marco Arment aufgestellt hat, und die in anderen Blogs auch schon zu lesen war: Das iPhone 5C sei das neue Mainstream-iPhone. Das neue Spitzenmodell, das iPhone 5S, sei hingegen nicht darauf ausgelegt, das bestverkaufte Modell zu werden.

Ich halte diese Einschätzung für falsch.

Das iPhone 5C ist meines Erachtens ein Marketing-Gag für die neue Software-Version iOS 7. Die diversen Farbvariationen passen schön zum kunterbunten Aussehen der neuen Betriebssystemversion. Sie lenken zusätzliche Aufmerksamkeit auf den Konzern, weil das Farbenspiel ein schönes Pressefoto abgibt. Dass Apple aber mit dieser Variante des Altgeräts in Kauf nimmt, den Absatz des neuen Spitzenmodells zu schmälern, halte ich für unwahrscheinlich. Ginge es um den Massenmarkt, wäre der Preis das entscheidende Kriterium gewesen. Das Cheap-Phone, das viele herbeischreiben wollten, gibt es jedoch nicht.

Für Apple gibt es viele Gründe, dass das iPhone 5S das bestverkaufte Modell werden muss. Der bessere A7-Prozessor, der Coprozessor M7 und die 64-bit-Architektur werden nur dann zum Vorteil für die Käufer, wenn sie einen Massenmarkt erreichen. Diese neue Features entfalten nur ihr Potenzial, wenn es für sie Apps gibt. Warum aber sollten Entwickler ihren Schwerpunkt auf diese neuen Features legen, wenn die Hauptklientel künftig bei der Technik des iPhone 5 stehen bleibt?

Wer sich die Historie des iPhones ansieht, wird in dem iPhone 5S keinen besseren oder schlechteren Entwicklungsschritt sehen können, als beim iPhone 4S und beim iPhone 3GS. Das iPhone 3GS stand seinerzeit vor allem für „Speed“. Es war etwas schneller als der Topseller iPhone 3G, aber für Besitzer des 3G gab es kaum Gründe, vorzeitig ein neues Gerät zu kaufen. Ähnlich sah es beim iPhone 4S aus, wo das S für „Siri“ stand. Auch diese Weiterentwicklung war kein Quantensprung wie zwischen 3G und iPhone 4 oder iPhone 4 und iPhone 5. Mit seiner besseren Kamera, den Veränderungen beim Prozessor und dem Fingerabdrucksensor ist das iPhone 5S sogar das S-Modell mit den bemerkenswertesten Veränderungen. Je nachdem, was Appentwickler und Apple daraus machen, gibt es gegenüber dem Vorgängermodell nicht nur einen deutlichen Benefit (Touch ID), sondern mit dem M7-Coprozessor, der eine Fülle von neuen Anwendungen ermöglicht, ggf. sogar gleich einen zweiten.

Bei vielen, die in den vergangenen zwei Tagen über das iPhone Event am 10. September geschrieben haben, ist vor allem die Enttäuschung darüber zu bemerken, dass es keine Überraschungen gab. Keinen Apple-Fernseher, keine Smartwatch, sondern nur zwei neue iPhone-Modelle, über die im Vorfeld bereits alles bekannt war. Auch das „One more thing“ ist bei Apple nicht zurückgekehrt – stattdessen werden die Produktvorstellungen sogar immer kürzer.

Daraus jedoch abzulesen, dass Apple die Lust am Spitzenmodell verloren hat, halte ich für eine falsche Schlussfolgerung. Das iPhone 5s muss erfolgreicher sein. Aber warum sollten die Verkäufe des Vorgängermodells nicht gleichzeitig auch zunehmen, indem es etwas aufgehübscht wird?

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