Kleine Meinung: Neustart von Yeebase Media

Neustart
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Neustart! Der Titel klingt schon so, als wollten uns die Macher von Neustart, einem Magazin aus dem Hause Yeebase Media, wo auch das t3n Magazin erscheint, etwas damit sagen: Es gibt da draußen ja nicht wenige, die dem gedruckten Wort schon Lebewohl gesagt haben – auf die eine oder andere Weise. Da klingt Neustart nach Läuterung, nach: Wir wollen es besser machen.

Fachzeitschriften geht es im Medienwandel nicht besser als Tageszeitungen. Um beim Kunden anzukommen, sollen sie inhaltlich viel bieten, möglichst hochwertig daherkommen, andererseits aber wenig kosten und da entsteht schon die Quadratur des Kreises, weil dies bei niedrigen Auflagenzahlen kaum möglich ist, zumindest, wenn jemand davon leben soll. Und das Problem der Aktualität trifft die Zeitschriften ja noch viel mehr als die Zeitungen, denn die meisten erscheinen bestenfalls monatlich. So ist die Nachrichtenrubrik im t3n Magazin auch eher eine Rubrik zum ungläubigen Staunen, dass bestimmte News noch gar nicht so alt sind, wie sie sich anfühlen – der regelmäßige Internetnutzer dürfte aber selten noch etwas gravierend Neues erfahren.

Wo liegt also der Neustart? Er liegt zum einen im Verzicht auf eine Nachrichtenrubrik in dem neuen Magazin, vor allem aber darin, sich auf das zu konzentrieren, was einem das Netz bislang nur spärlich liefert: Große, gut geschriebene Hintergrundartikel, ausführliche Porträts, optisch ansprechend serviert und da ja das Lesen auf Papier durchaus angenehmer ist, als auf dem Bildschirm, nimmt man sich gerne auch mal die Zeit, ein ausführliches Porträt über MC Fitti oder den Programmiererwunderknaben Nick D’Alosio zu lesen.

Um das Fazit vorweg zu nehmen: Neustart gefällt, weil es eher ein Kulturmagazin als die x-te Netz-Fachzeitschrift ist. Der Schwerpunkt liegt auf Geschichten über Menschen oder zumindest über Themen, die uns Menschen betreffen (wie zum Beispiel digitaler Krieg). Das Magazin darf noch ein klein wenig kritischer werden, denn wer sich den MC-Fitti-Trash im Netz nach dem Lesen des Artikels mal ansieht, hätte eine kleine Warnung begrüßt – interessant ist dieses Thema aber trotzdem, weil diese spezielle Kunst viele Freunde hat. Die erste Ausgabe von Neustart legt die Messlatte sehr hoch, denn es wird sich zeigen müssen, ob das Netz, erst recht das deutschsprachige, so ergiebig ist, dass es immer wieder ausreicht, beim Leser einen Aha-Effekt zu erzielen. Den hat zumindest diese erste Nummer geschafft. Die Bilderstrecke am Anfang mit dem obligatorischen Katzenfoto (süß!) und dem gefährlichen Roboter kennen wir zwar aus Illustrierten. Kleine Abstriche gibt es auch für die Star Trek-Kolumne, die mehr versprach, als sie am Ende hielt – aber das sind Kleinigkeiten. Bitte mehr davon!

Yeebase Media: Neustart, 3,90 Euro, ab 15. April am Kiosk und als e-paper erhältlich, http://neustart-magazin.de

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