iPad Pro 9,7 im Test: Den richtigen Ton getroffen

Als im Herbst vergangenen Jahres das iPad Pro im großen 12,9-Zoll-Format präsentiert wurde, kursierte anschließend ein Gerücht im Netz: Apple verabschiede sich angeblich vom ursprünglichen 9,7-Zoll-Format des iPads, mit dem im Jahr 2010 alles begann. 

Im Frühjahr 2016 haben wir nun das kleine iPad Pro im 9,7-Zoll-Format vor uns liegen und können über das Gerücht von damals nur noch lachen. Zum Glück, denn das mittlere der drei iPad-Formate hat nicht nur seine Daseinsberechtigung – es ist weiterhin die optimale Größe für ein Tablet. Trotzdem ist es zweifellos sinnvoll, auch Geräte mit kleinerem oder größeren Display bereitzuhalten.

Das iPad Pro 9,7 entspricht in den Spezifikationen weitgehend dem großen Bruder. Der schnelle A9X-Prozessor ist ebenso eingebaut wie die vier Lautsprecher für einen guten Ton. Es gibt ein passendes Smart Keyboard, das über den neuen Anschluss an der Seite angedockt wird und der digitale Stift, Apple Pencil, wird unterstützt.

Alleinstellungsmerkmale

Es gibt beim kleinen iPad Pro aber auch noch einige Punkte, die sich vom großen Gerät unterscheiden und es zum derzeit besten iPad machen: Dazu zählt vor allem das True Tone-Display. Ein neuer Sensor misst das Umgebungslicht, so dass das iPad automatisch die Farbtemperatur der Display-Anzeige anpasst. In dunklen Umgebungen wird das Bild gelblich, so dass das Weiß authentisch wirkt und nicht blaustichig. Wer die Sonne im Rücken hat, erlebt auf dem sehr leuchtstarken Display ein sattes Weiß, das so intensiv ist, dass man ein E-Paper-Display vor sich wähnt. Die Option kann abgestellt werden kann – aber dazu gibt es eigentlich keinen Grund.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die integrierte Apple-SIM. Seit vielen Jahren existiert der Wunsch von Tablet-Käufern, den kleinen Plastik-Chip für Mobilfunk entbehrlich zu machen. Lange sträubten sich die Netzbetreiber, jetzt hat Apple so etwas im Angebot. Derzeit sind die Telekom und zwei internationale Anbieter mit Prepaid-Angeboten vertreten. Gerade im Tablet-Bereich, wo viele Nutzer nicht permanent mobilen Datenfunk benötigen, ist die neue Funktion Gold wert. Allerdings benötigt der Nutzer dazu die teurere Cellular-Variante des iPads. Deren Antenne ist übrigens nicht mehr mit Plastik abgedeckt, sondern es gibt nur eine Art „Rallye-Streifen“ auf der Rückseite, wodurch diese Modellvariante wesentlich schicker aussieht.

Ein weiterer großer Unterschied zum 12,9-Zoll-iPad ist die Kamera. Diese löst mit zwölf Megapixel auf und entspricht der in der iPhone 6s-Modellreihe. Doch wozu braucht der Nutzer in einem Tablet eine Kamera, obendrein jetzt auch mit Blitz? Eine Idee ist das Abfotografieren von Dokumenten für das papierlose Büro.

Auch ohne das „Air“ im Namen: Die Luft aus dem iPad ist nicht raus. Dafür hat sich der Schwerpunkt geändert:  Mit rund 440 Gramm und 6,1 Millimeter dicke entspricht das iPad Pro exakt den Maßen des iPad Air 2. Die Luftigkeit ist jetzt also Standard – es gibt keine weitere Steigerung. Die Professionalisierung des iPads mit Tastatur und Stift als Arbeitsinstrument ist hingegen neu. Apple sieht das iPad Pro als PC-Alternative.

Eine PC-Alternative?

Ob dem so ist, muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden. Das Smart Keyboard, das leider immer noch nicht in einem deutschsprachigen Tastaturlayout vorliegt, hat zwar einen für seine Größe sehr guten Tastenanschlag. Für die Arbeit auf den Knien unterwegs ist es jedoch nur bedingt geeignet. Auch die Abkehr vom klassischen PC-Dateisystem ist für viele Nutzer sicherlich gewöhnungsbedürftig. Andererseits entschädigt das iPad Pro mit seiner großartigen Mobilität. Das Smart Keyboard ist zugleich Bildschirmabdeckung. Der Pencil vermittelt einem das Gefühl, wirklich auf dem Bildschirm zu schreiben. Beim kleineren iPad kommt es auch eher in Frage, seine handschriftlichen Notizen künftig darauf zu tätigen.

Doch ist das iPad Pro auch für Nutzer interessant, die von früheren Modellen kommen und nicht an Tastatur und Stift interessiert sind? Hier sind es vor allem die höhere Leistung und das bessere Tonsystem, die Gründe sein könnten. Wer den Vorvorgänger, das iPad Air, oder ein älteres Gerät besitzt, bemerkt einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil, etwa beim Aufrufen von Mails oder Internetseiten. Auch präsentiert sich das iPad Pro gegenüber diesen früheren Modellen noch einmal etwas leichter und dünner. Beim iPad Air 2 schmelzen die Unterschiede.

Der Wermutstropfen aus Sicht der Interessierten dürfte jedoch der Preis sein. Der fängt bei 689 Euro beim Wifi-Modell mit 32 Gigabyte Speicher an. Sinnvoll ist aber ein Speicher-Upgrade auf 128 GB, das in der WLAN-Variante gleich schon 869 Euro kostet. Wer gar die großzügige 256-GB-Variante oder ein iPad Pro mit Mobilfunkmodul kaufen möchte, überschreitet rasch die 1000-Euro-Grenze. Freilich ohne Zubehör, das jeweils auch noch im dreistelligen Bereich zu Buche schlägt.

Fazit: Den richtigen Ton getroffen

Apple hat bei der Weiterentwicklung seines Tablets zweifellos den richtigen Ton getroffen – nicht nur dank des True-Tone-Displays. Es ist das beste iPad und im Gebrauch in vielerlei Hinsicht überzeugend. Der hohe Preis macht das Gerät jedoch zu einer Investition mit einer längeren Nutzungsdauer. Der eine oder andere Interessent könnte auch geneigt sein, abzuwarten, was die nächste Generation mit sich bringt.

Kommentar verfassen