iPhone 7 im Test: Mit der zweiten Linse sieht man besser

Die Unterschiede zwischen dem iPhone 7 und seiner Plus-Variante sind signifikanter als bei den beiden Vorgängern. Das wirkliche iPhone-Flaggschiff ist künftig das Plus-Modell.

Vieles im Leben wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das alte Sprichwort hat sich auch für das iPhone 7 von Apple bewahrheitet. Der Verzicht auf den Klinkenstecker für Kopfhörer löste bereits als Gerücht große Stürme der Entrüstung aus. Knapp drei Monate nach der Vorstellung des aktuellen Smartphone-Flaggschiffs ist die Alltagsruhe zurückgekehrt. Mitte Dezember hat Apple die AirPods veröffentlicht. Die Funkkopfhörer sind die hauseigene Alternative zum Kabelkopfhörer. So soll die Zukunft aussehen. Die kabelgebunden Hörer können allerdings mit einem mitgelieferten Lightning-Stecker-Adapter zumindest weiterhin am Strom- und Datenanschluss betrieben werden. Die mitgelieferten Kabel-EarPods haben sogar gleich den richtigen Stecker.

Kamera als Highlight

Bleibt also mehr Gelegenheit, sich den Weiterentwicklungen und weniger dem Weggelassenen zu widmen. Das iPhone 7 gibt nicht nur ein gutes Bild ab, es produziert auch welche. Mit zwölf Megapixel Auflösung, einer optischen Bildstabilisierung, einer Sieben-Megapixel-Frontkamera und dem verbesserten 4-fach-LED-Blitz wurde eine der beliebtesten Funktionen des Smartphones aufgewertet. Noch deutlicher ist der Unterschied beim größeren Plus-Modell: Hier gibt es nun zwei Linsen, eine mit Weitwinkel und eine als Teleobjektiv, die zusammen noch etwas Neues können: Einen Porträtmodus, der mit Tiefeneffekt den Hintergrund verschwimmen lässt und die Objekte im Fokus somit noch besser herausarbeitet. Zudem gibt es erstmals einen zweifachen optischen Zoom. Man könnte also sagen: Mit der zweiten Linse sieht man besser.

Die Ergebnisse sind brillant: Zusammen mit der 1.8-Blende können jetzt auch dunklere Umgebungen noch besser abgebildet werden. Viele der Testfotos, die wir gemacht haben, sind auf den ersten Blick nicht von denen von Spiegelreflexkameras zu unterscheiden. Erst bei genauerem Hinsehen erschließt sich einem das. Apple wertet damit das iPhone 7 Plus gegenüber dem kleineren iPhone 7 deutlich auf. Gab es bei den Vorgängermodellen mit dem Plus den größeren Bildschirm, die etwas bessere Akkulaufzeit und der optische Bildstabilisator, kommt jetzt mit der Kamera ein Faktor dazu, der manchem Fan des kleinen Modells Bauchschmerzen bei der Kaufentscheidung bereiten könnte.

Ähnliches Design

Rein optisch gibt es beim Äußeren der neuen iPhones kleine und größere Veränderungen. Zunächst einmal ist das Design des iPhone 6 ein drittes Mal in Folge verwendet worden – ein Novum bei Apple, allerdings mit Änderungen bei der Antenne, die nicht mehr als Plastiklinie den Rücken in ein oberes Viertel und den Rest teilt, sondern sich oben am Rand befindet.

Wer plakativ zeigen möchte, dass er ein neues Modell besitzt, muss einen der neuen beiden Schwarz-Töne erwerben. Das schwarze Modell in matt löst Space-Grau ab, während Diamantschwarz eher an Klavierlackoptik erinnert. Die Kratzanfälligkeit, die als Schreckgespenst nach dem Verkaufsstart durch das Netz geisterte, können wir bei normaler behutsamer Benutzung nicht nachvollziehen. Allerdings ist der Rücken des Geräts schon extrem anfällig für Fingerabdrücke, entschädigt aber durch eine höhere Griffigkeit.

Neuer Home-Button

Auf der Vorderseite wurde der Home-Button durch eine statische Variante ersetzt. Ähnlich dem Touchpad beim MacBook simuliert die Taptic Engine im Inneren des Gerätes das haptische Gefühl des Knopfdrucks. Der Verzicht auf den mechanischen Button soll helfen, die Hardwareausfälle zu minimieren. Das Druckgefühl lässt sich in drei Stufen regulieren, erinnert beim iPhone 7 aber eher an einen Klicker, als an einen Knopf. Beim größeren Plus ist der Resonanzkörper größer – das Klickerlebnis ist folglich ein anderes. Mögen sich an der gefühlten Rückmeldung die Geister scheiden: Vom Druckgefühl her wirkt die neue Lösung wertiger. Der alte mechanische Knopf wird nach einiger Zeit mit dem neuen als wackelig empfunden, obwohl er es gar nicht ist.

Die Liste der Neuigkeiten lässt sich fortsetzen mit Punkten, die je nach Nutzer unterschiedlich bedeutsam sind. So ist der Spritzwasserschutz, der inoffiziell laut Tests sogar bis zu einer gewissen Wasserfestigkeit reicht, eine gute Sache für viele Nutzer – und sei es alleine fürs Sicherheitsgefühl. Der Bildschirm ist heller und hat einen höheren Farbumfang – das freut die Fotografen. Erstmals gibt es Stereo-Lautsprecher und die sind auch noch lauter, so dass neben dem Abspielen von Musik und Videos auch das Freisprechen beim Telefonieren besser geworden ist.

Motor des iPhone 7 ist der A10 Fusion Chip, der neben mehr Leistung wieder einmal auch mehr Energieeffizienz mitbringt. Im Alltag vieler Nutzer ist vor allem die Sache mit der Batterielaufzeit von Bedeutung. Dennoch wirkt das iPhone in der Bedienung noch mal ein klein wenig flüssiger. Diese Veränderung wird aber wohl eher Detailverliebten auffallen.

Fazit: Besser das Plus kaufen

Unter dem Strich ist das iPhone 7 eine solide Weiterentwicklung des Vorgängermodells, aber erstmals abweichend vom Zwei-Jahres-Takt keine, die in punkto Design gravierend anders ist. Das könnte Besitzer eines gerade erst ein Jahr alten iPhone 6s vom Kauf abhalten, womöglich auch iPhone 6-Besitzer, es sei denn, eine der neuen Funktionen – allen voran die verbesserte Kamera beim iPhone 7 Plus – begeistert. Und diese Verbesserungen haben es wirklich in sich.

Dass das Plus-Modell diesmal so viel besser als das Standardmodell ausfällt, ist ein deutliches Statement Apples, welches von den iPhones – zumindest in diesem Jahr – das wirkliche Flaggschiff ist.

Ein Flaggschiff hat freilich auch seinen Preis: Das iPhone 7 ist ab 759 Euro erhältlich. Das Plus fängt bei 899 Euro an, jeweils mit 32 GB. Zu empfehlen sind aber die teureren, höheren Speicherausstattungen mit 128 und 256 GB.

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