Gigaset GS270 plus im Test: (Mittel-) Klasse-Smartphone mit Sternchen

Gigaset steigt in die Mittelklasse der Smartphones ein. Das GS270 ist für 199 Euro erhältlich, das Plus-Modell kostet 30 Euro mehr. Wir haben die Neuerscheinung getestet.

Das GS270 plus in Originalverpackung.

Gigaset kennt sich im Bau von Telefonen aus. Aber reicht die Festnetz-Erfahrung, um auch ein gutes Smartphone bauen zu können? Mit dem GS270 und GS270 plus hat der deutsche Hersteller jetzt schon sein zweites Modell vorgestellt. Nach dem GS170 als Einsteigermodell will Gigaset mit dem GS270 (plus) in der Mittelklasse Fuß fassen. Im nächsten Schritt soll sogar ein High-End-Smartphone veröffentlicht werden. Das sind große Schritte und noch höher gesteckte Ziele in einem heiß umkämpften Markt mit etablierten Mitbewerbern.

Was aber ist eigentlich die Mittelklasse? Zwischen Low-End und High-Tech passt zumindest aus der Sicht derer, die immer das Neueste haben wollen, kein Blatt Papier. Doch was gilt für Nutzer, die der neuesten Technologie nicht so viel Wert beimessen?

Wer ein Mittelklasse-Gerät erwirbt, sollte definitiv nicht die höchsten Erwartungen an das Display oder die Kamera haben. Gleichzeitig sollte es aber schon an ein drei bis vier Jahre altes High-End-Modell heranreichen können. Denn in dieser Preisklasse tummeln sich die Mittelklasse-Geräte gemeinsam mit den Altgeräten, so auch das GS270 plus, das zum Preis von 229 Euro verkauft wird.

Unterschied zum Plus-Modell

Zunächst zu der Frage, was die Plus-Bezeichnung überhaupt bedeutet: Das GS270 plus verfügt über 3 Gigabyte Arbeitsspeicher und 32 Gigabyte Speicher, während das GS270 mit 2 Gigabyte RAM und 16 GB Speicher aufwartet. Das ist eine Menge Mehrwert für nur 30 Euro Unterschied, weshalb Käufer gut daran tun, dieses Geld nicht zu sparen. Gerade der Gerätespeicher ist durch Fotos, E-Mails, Videos schnell gefüllt. 32 GB sollten hier schon das Minimum sein, auch wenn das Gerät per microSD-Karte leicht erweitert werden kann. Mehr Arbeitsspeicher sorgt indes für mehr Flüssigkeit in der Bedienung: Das merkt man, wenn man mehrere Apps oder Browser-Tabs geöffnet hat. Für den nicht so anspruchsvollen Nutzer ist das allerdings nicht ganz so bedeutend.

Das Äußere

Die Rückseite mit Fingerabdrucksensor und Kameralinse.

Das 5,2-Zoll-IPS-Full-HD-Display führt beim GS270 plus zu Abmessungen, die dem des großen iPhone 7 Plus ähneln. Der 1920 mal 1080 Pixel auflösende Bildschirm stellt sich solide und konstrastreich dar. Oben gibt es eine weiße Leuchtdiode, die unter anderem Benachrichtigungen und das Aufladen signalisiert.

Das GS270 plus ist mit knapp neun Millimetern Tiefe ein Smartphone, das sich schon massiver in der Hand anfühlt. Der Kunststoffrücken steht hierbei in einem Kontrast zum Schweregefühl. Äußerlich sieht der Rücken durch seine Metalloptik definitiv wertiger aus, als er sich anfühlt.

Freunde des Klinkensteckers für Kopfhörer kommen hier noch auf ihre Kosten. Auch der moderne USB-C-Stecker findet bei Gigaset keine Verwendung, dafür der bewährte Micro-USB-Standard. Power- und Lautstärke-Tasten befinden sich an der rechten Seite, während links der SIM-Schacht zu finden ist, der wahlweise entweder zwei SIM-Karten aufnimmt oder eine SIM und eine micro-SD-Karte. Wer die zweite SIM nicht dauerhaft im Einsatz hat, wird sich über diese Flexibilität sicherlich freuen.

Power- und Lautstärkebuttons an der rechten Seite.

Auf der Rückseite befinden sich oben links die Kameralinse und die Leuchte. In der Mitte ist ein Fingerabdrucksensor, der dem Nutzer allerdings kein haptisches Feedback gibt. Auch lässt sich über die optimale Platzierung trefflich streiten. Wir waren desöfteren mit dem Finger auf der Suche nach der kleinen Mulde. Glücklicherweise lässt sich das Gerät alternativ auch mit einem Strichcode aufschließen. Grundsätzlich ist aber das Vorhandensein eines Fingerabdruckscanners für diesen Preis schon positiv.

Das GS270 gibt es im Farbton „grey“ (silber-grau), während das Plus-Modell auch als „Urban Blue“-Variante erhältlich ist.

Innere Werte

Unabhängig von der gewählten Speicherausstattung tickt in beiden GS270-Varianten ein mit 1,5 Gigahertz getakteter Acht-Kern-Prozessor. Das ist durchaus üppig für die Mittelklasse und wird dem Werbeslogan Gigasets, dass „innen ein Kraftprotz“ steckt, vollkommen gerecht.

Dazu passt auch der Lithium-Polymer-Akku, der mit 5000 mAh selbst die Premium-Konkurrenz überflügelt. Dafür haben die Software-Ingenieure allerdings offenbar ein wenig die Energieeffizienz schleifen lassen, denn ganz so kraftvoll, wie man sich das zunächst denkt, ist der Akku in der Praxis nicht. Der Durchschnittsnutzer kann aber dieses Smartphone durchaus mehrere Tage einsetzen, ohne eine Steckdose aufsuchen zu müssen. Damit ist gewährleistet, dass gerade bei Wenignutzern nicht das Aufladen zur häufigsten Tätigkeit wird. Einmal angestöpselt, vergehen bis zur vollen Ladung aber auch gut und gerne schon einmal zwei Stunden.

Die 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite und die Fünf-Megapixel-Kamera auf der Innenseite versprechen wertemäßig mehr, als sie leisten: Zwar sind die Bilder der großen Kamera bei schönem Wetter und Außenaufnahmen durchaus passabel bis schön anzusehen. Im Vergleich zum High-End-Segment zeigt sich aber bei der Kamera am deutlichsten, wo die Unterschiede liegen. Der etwas schleierartige Charakter von Smartphone-Fotos hat sich hier noch bewahrt, die Farben sind nicht so kräftig und in schlechten Lichtsituationen wünscht man sich dann doch noch eine eigenständige Kamera. Daran ändern auch allerlei Spielereien in der Software wie der Multi-Effekt-Modus, ein Bild-in-Bild-Modus, Panorama- und Beautymodus sowie die Gestensteuerung nichts. Als Schnappschuss-Kamera durchaus geeignet, ist die Kamera hier noch kein Ersatz konventioneller Fotokameras.

Erfreulich ist für den günstigen Preis dagegen die LTE-Unterstützung mit bis zu 300 Megabit pro Sekunde. Auch Voice-over-LTE, was das lästige Hin- und Herspringen zwischen 3G- und 4G-Netz bei Anrufen erspart, und Voice-over-Wifi für Umgebungen mit schlechtem Mobilfunkempfang sind integriert.

Die Software

Die Oberseite mit dem Klinkenstecker-Anschluss für Kopfhörer.

Vielleicht ist es eine Frage des Aufwands, dass Gigaset auf eine eigene Android-Version verzichtet hat – den Freund des puren Betriebssystems freut es aber definitiv, dass er bis auf ein paar mitgelieferte Apps ein Original-Google-System geliefert bekommt. Mit Android 7.0 Nougat überdies ein ziemlich aktuelles, das – so deutete Gigaset im Pressegespräch an – im Frühjahr 2018 sogar ein Upgrade auf die neueste Version 8.0 Oreo bekommen soll.

Fazit: (Mittel-)Klasse mit Sternchen

Für den Preis von knapp 230 Euro bekommt der Käufer mit dem GS270 plus ein grundsolides, in vielen Disziplinen aber sogar sehr bemerkenswertes und gutes Smartphone geliefert.

In der Benutzung lässt das Gerät kaum Wünsche offen. Das gute Bild, die gute Performance und eine sehr gute Akkulaufzeit dürften die Ansprüche des durchschnittlichen Nutzers vielfach sogar übertreffen.

Abstriche gibt es nur aus Sicht derjenigen, die Wert auf besonders gute Fotografie und Haptik bzw. Design legen. Dies ist eigentlich der einzige Bereich, wo die Mittelklasse – so wie Gigaset sie definiert – spürbar Abstriche macht.

Unter dem Strich gefällt der Einstand Gigasets: Die Mittelklasse des GS270 plus ist buchstäblich (mittel-)klasse. Und ein Sternchen für besonders gute Leistungen bei einem tollen Preis-Leistungsverhältnis gibt es obendrauf. Mehr davon.

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