Next – Zum Weggang von Scott Forstall bei Apple

Scott Forstall (Foto: Apple)

Scott Forstall, bislang Senior Vice President für die iOS Software, verlässt Apple zum Ende des Jahres. In der Zwischenzeit soll er nur noch als Berater für Apple-Chef Tim Cook tätig sein. Seine bisherigen Zuständigkeiten werden unter den anderen Führungskräften Apples aufgeteilt, unter anderem Jony Ive. Medien sehen es als offenes Geheimnis an, dass Forstall nicht freiwillig ging.

Das Markenzeichen von Scott Forstall war sein energisch ausgesprochenes “Next”, wenn er bei Apple-Produktvorstellungen durch die neuen Features der Software galoppierte. Unter Steve Jobs schien Forstall immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Was Jony Ive für das Hardware-Design ist, war Forstall in Software-Fragen. Manche sahen ihn auch schon als Nachfolger, zumal ihm nachgesagt wird, ähnliche Eigenarten zu haben, wie Jobs.

Dass es um Forstalls Zukunft bei Apple in der Post-Jobs-Ära nicht mehr gut bestellt war, deutete sich nach Steve Jobs’ Tod im vergangenen Jahr rasch an. Seine Auftritte bei Apple-Events wurden immer weniger. Tim Cook hatte nicht nur seinen eigenen Part als Geschäftsführer deutlich zurückgenommen, sondern auch den des Software-Chefs.

Was Forstall genau zum Verhängnis geworden ist, bleibt rätselhaft. Fakt ist, dass die Sprachassistentin Siri kurioserweise als Beta-Version veröffentlicht wurde, was eigentlich nicht Apples perfektionistischen Vorstellungen entspricht, zumal der Hersteller Drittentwicklern im App Store explizit untersagt, halbfertige Software hineinzustellen. Bis heute hat Siri niemals offiziell den Final-Status erlangt, obwohl die Software zwischenzeitlich verbessert wurde.

Dann waren da die Apple-eigenen Karten. Hierbei ist allerdings unklar, welchen Teil der Verantwortung Forstall trägt. Die Software selbst funktioniert nämlich tadellos – problematisch ist alleine das Kartenmaterial selbst, das Forstall wohl kaum selbst in seiner Abteilung erarbeitet haben wird. Gleichwohl dürfte ihn auch ein Teil der Verantwortung treffen, die er Medienberichten zufolge abgelehnt habe, als es darum ging, einen Entschuldigungsbrief an die Kunden zu unterzeichnen. Am Ende unterschrieb diesen Tim Cook.

Seit Bekanntgabe des Weggangs von Forstall wird im Netz kontrovers diskutiert, ob dies für Apple ein Fluch oder eine Segen ist.

Was die Präsentation von neuen Produkten betrifft, wird Forstall auf alle Fälle eine Lücke hinterlassen. Außer ihm vermochte es nur Steve Jobs, Produkte so zu präsentieren, als stecke eine aufrichtige eigene Begeisterung dahinter. Nicht zu vergessen: Forstall hatte so viel Zutrauen in seine Produkte, dass er sie gerne im Livemodus auf der Bühne präsentierte, so etwa Siri – nur wer von seiner Software völlig überzeugt ist, wagt einen solchen Schritt. Mit Phil Schiller bedient Apple die gängigen Marketingfloskeln, die von Apple bekannt sind – so stark mitgenommen wie seinerzeit unter Jobs/Forstall fühlt man sich aber nicht.

Der nächste Punkt sind die Auswirkungen auf die Software. Forstall war ein Liebhaber “klassischer Elemente”, so zum Beispiel der Ledereinband beim Kalender. Dies soll wohl Jony Ive deutlich missfallen haben, der puristische, moderne Designs liebt. Über Geschmack lässt sich streiten – es wird jedoch spannend sein, was Ive Forstalls Designs entgegen zu setzen hat.

Ein weiterer Vorwurf im Netz lautet, Forstall seien die Ideen ausgegangen – iOS bleibe damit immer mehr hinter Android zurück. Dies ist insofern Quatsch, weil Apple von Anfang an nicht jede Android-Idee übernommen hat, sondern oft erstmal schaute, ob sie sich überhaupt etabliert und wie sie möglicherweise sogar perfektioniert werden kann. Eine weitere Frage ist, inwieweit Forstall überhaupt frei entscheiden konnte, was letztlich in die Veröffentlichung geht und was nicht. Unter Jobs war sein Aktionsradius gewiss begrenzt. Wie Tim Cooks Führung in solchen Fragen aussieht, ist derzeit noch schwer zu sagen.

Ein wenig erinnert der Rausschmiss von Forstall an das Schicksal von Steve Jobs – eine Entscheidung, die Apple später noch bereuen sollte. Wer weiß, was bei ihm inzwischen schon unter dem Begriff “Next” in der To-Do-Liste steht.

Apple erhöht die Preise im App Store

Florian Schimanke, Flo’s Weblog:

Viele beschweren sich darüber, dass Apple die Anpassung ohne Ankündigung für Käufer und Entwickler mal eben über Nacht vorgenommen hat. Für diese Argumentation habe ich, sorry, überhaupt kein Verständnis. In so gut wie keinem Szenario werden Preisänderungen durch ein Unternehmen kommuniziert. Wird im Supermarkt die Butter teurer (oder billiger), wird der Kunde hierüber auch nicht gesondert informiert.

Dieses Argument kann man nur für den Part des Käufers gelten lassen.

Unter Produzenten von Gütern ist es allerdings üblich, dass Großhändler ihre Kunden darüber in Kenntnis setzen, wenn sich an den Bezugspreisen der Rohstoffe etwas ändert. Man nennt sowas auch Vertrauensverhältnis. Die Information ist alleine schon fair und richtig, weil der Kunde des Großhändlers diese Preiserhöhung ja entweder selbst begleichen oder an seine eigenen Kunden weitergeben muss.

Man kann ja, wie Schimanke es macht, sich auf die Seite Apples schlagen. Man kann auch versuchen, dem irgendetwas Positives abzugewinnen, indem diese Preiserhöhung nachträglich zum Geschenk an die Entwickler erklärt wird (was es definitiv nicht ist – keiner hat danach verlangt).

In Wirklichkeit ist es doch so, dass bei dieser ganzen Angelegenheit zwei Dinge kritikwürdig sind:

  • Apple hat die Preise überraschend und ohne Vorwarnung erhöht. Ja, sie hielten es noch nicht einmal für nötig, ihre Handelspartner (Entwickler, Verlage, etc.) vernünftig darauf hinzuweisen. Wer die E-Mail an die Entwickler gelesen hat, weiß, dass die Erhöhung im Euro-Raum beiläufig im Nebensatz erwähnt wird – ohne jede Angabe von Preisen (die gibt es nur online). So beiläufig finden die Betroffenen das aber nicht.
  • Die Preismatrix für den App Store ist gerade für Verlage schon seit Jahren ein großes Ärgernis, weil sie viel zu große Abstände zwischen den Preisstufen vorsieht. Entweder ist man teurer als sein Printprodukt oder günstiger – in jedem Fall hat der Verlag den Ärger.

Maps: Apple sagt Sorry

Tim Cook, CEO von Apple:

We are extremely sorry for the frustration this has caused our customers and we are doing everything we can to make Maps better.

Wer sich jetzt noch fragt, was Apple anders oder besser macht, sollte sich diesen offenen Brief des Apple-Chefs durchlesen.

Wann hat sich Microsoft für instabile Versionen von Windows entschuldigt? Wann haben Fernseherhersteller wie Samsung ihr Bedauern ausgedrückt, dass ihre Geräte zig Firmware-Updates benötigen und doch nicht intuitiv zu bedienen sind?

Nicht alles, was Apple macht, wird zu Gold. Aber sie haben das Format, es zu sagen, wenn etwas schief läuft.

Hut ab.

via Apple – A letter from Tim Cook on Maps.

iPhone 5: Der unterschätzte Designfaktor

Erst die große Euphorie, jetzt der totale Verriss: Das iPhone 5 durchlebt in der Bloggerwelt derzeit stürmische Zeiten. Ein Aspekt wird dabei viel zu selten gewürdigt: Das Design.

Auf vielen Bildern sieht das iPhone 5 wie eine geringfügig veränderte Version des iPhone 4S aus. Etwas dünner, etwas leichter, etwas Neues auf der Rückseite – es wirkt trotz seines geänderten Formats zunächst nicht so innovativ, wie seinerzeit der Wechsel vom iPhone 3GS auf das iPhone 4. Doch dieser Eindruck täuscht. Wer das Gerät in den Händen hält, stellt schnell fest, dass das neue iPhone ein Glanzstück des Apple-Chefdesigners Jonathan Ive ist. Nicht ohne Grund wird Ive in dem offiziellen Trailer auf der Apple-Website so viel Zeit eingeräumt. Das Design spielt bei dieser neuen Gerätegeneration eine ganz große Rolle.

Das Gerät wirkt, wenn man es in der Hand hält, einfach edel. Dies ist gegenüber anderen Smartphones ein Alleinstellungsmerkmal. Das Samsung-Flaggschiff Galaxy S 3 ist beeindruckend groß, mit Funktionen vollgepackt – aber edel? Nein, in keiner Weise. Weiße Plastik und Rundungen, die zwar ein Handschmeichler sind, aber wenig Charme haben – das Design steht für die Südkoreaner eindeutig nicht im Mittelpunkt.

Bei Apple dagegen schon: Die erfolgreichsten Produkte der Kalifornier sind zugleich die schönsten. Der iMac, die MacBook Pros, verschiedene iPod-Reihen und natürlich iPhone und iPad verkaufen sich auch deshalb so gut, weil sie edel aussehen, dem Träger einen Glanz verleihen, ja, manchmal sogar eher ein Accessoire als ein Gadget sind.

Das iPhone 5 versprüht in der Hand Leichtigkeit. Es ist nicht schwer, wirkt aber trotzdem nicht billig. Die Finger streichen über eine Mischung aus kühlem Metall und glattem Glas. Das Auge wird durch den Wechsel von matten und glänzenden Materialien in seinen Bann gezogen. Seine geringe Dicke führt zu purer Faszination darüber, dass so leistungsstarke Technik so wenig Platz zwischen Daumen und Handfläche einnimmt.

Kurzum: Dieses Telefon ist – trotz allem, was ihm in anderen Bereichen mitunter zurecht nachgesagt wird – ein echtes Erlebnis. Und Technik zum Erlebnis zu machen, ist Apples große Stärke.

iPhone 5: Rezensionen und kluge Worte

Martin Weigert, Netzwertig.com:

Leider wird die allgemeine, von Apple entfachte, von grölenden Apple-Store-Mitarbeitern verstärkte, von tausenden Bloggern und Journalisten transportierte und von Millionen Konsumenten dankbar aufgenommene Euphorie/Hysterie rund um das iPhone 5 dieser Tatsache nicht gerecht. Jeder in dieser Kette trägt seinen Teil dazu bei, dass ein solides, modernes und leistungsfähiges Smartphone auf ein größtmögliches, unangemessenes Podest gehoben wird – auch Skeptiker und Apple-Hasser, indem sie sich öffentlich und in langen Texten über das Gerät echauffieren.

Dieser Artikel gehört zu den klügsten, die nach der Vorstellung des iPhone 5 geschrieben wurden. Das Problem mit dem Hype ist, dass er sich vollkommen verselbstständigt hat. Und während tausende Internetseiten versuchen, an dieser Begeisterung zu partizipieren, wird immer deutlicher, dass es eigentlich gar keinen mehr interessiert, ob das neue Produkt gute oder schlechte Kritiken bekommt.

Heute haben Daring Fireball, The Loop, AllThingsD und TechCrunch ihre Reviews veröffentlicht.

via Das iPhone 5 und der übertriebene Gadgetkult: Es ist an der Zeit für Mäßigung » netzwertig.com.

Das iPhone 5 und die Evolution der Bildschirmgröße

Die anderen Hersteller machen es vor – und Apple zieht nach. Dieser Eindruck drängt sich in Bezug auf die Größe des Bildschirms des neuen iPhone 5 auf. Doch wer das meint, verkennt die Pionierleistung Apples, die sich die anderen erspart haben.

Apple hat den Sprung gewagt: Statt der bisherigen 3,5-Zoll-Einheitsgröße präsentiert sich künftigen Nutzern des neuen iPhone 5 ein 4 Zoll großes Display. Zugelegt hat das neue Smartphone freilich nur in der Höhe. Die Breite hat Apple so belassen. Zugunsten des 16:9-Seitenverhältnisses, heißt es. Und weil das iPhone dadurch ein Handschmeichler sei. Vor allem aber kommt Apple damit den Appentwicklern entgegen, die aufgrund des Höhen-Upgrades meist nur kleinere Veränderungen vornehmen müssen. Für sie ist es schlimm genug, dass die Einheitsgröße, die Apple seinen Mitbewerbern stets voraus hatte, geopfert wurde.

Auf den ersten Blick scheint es, als wenn Apple dem Druck des Marktes nicht stand gehalten hat. Vor allem die Hersteller von Android-Smartphones suchten ihr Wohl in größeren Geräten, um sich vom iPhone abzuheben. Sie lockten die Nutzer mit einer besseren Nutzbarkeit. Jüngste Geräte, wie das Samsung Galaxy S3, sind schon fast kleine Tablets. Gerade Nutzer, die sich nicht zwei mobile Gadgets kaufen möchten, sehen darin einen Königsweg. Und die Strategie scheint aufzugehen: Obwohl diese riesigen Smartphones in keine Westentasche mehr passen, verkaufen sie sich gut. Viele Nutzer schätzen diese riesigen Bildschirme.

Der Vorwurf, Apple habe sich größeren Bildschirme einfach nur nachgemacht, greift allerdings zu kurz. Die Frage, warum der US-Konzern nicht schon viel früher die Displaygröße hochgesetzt hat, ist leicht zu beantworten: Ein solch riesiges Smartphone hätte sich 2007 niemals so gut verkauft.

Erinnern wir uns dazu einmal daran, wie die Mobilfunkwelt zu dieser Zeit noch aussah. Einer Mehrzahl an Nutzern waren Internetanwendungen fremd. Die meisten nutzten Handys für Telefonie und SMS. Datenanwendungen waren zum einen teuer, zum anderen bereiteten die Geräte buchstäblich kaum Vergnügen und waren somit vor allem der Geschäftswelt vorbehalten.

Mit dem iPhone hat Apple nicht nur der Gerätegattung Smartphone zum Erfolg verholfen, sondern vor allem das Nutzungsverhalten im Mobilfunk grundlegend verändert. Skeptiker führten vor allem die Größe des Displays als Kritikpunkt an und konnten sich kaum vorstellen, ihren kompakten Slider oder ihr Klapphandy dafür herzugeben. In solch einem Klima ein noch größeres Smartphone zu verkaufen, wäre 2007 zum Scheitern verurteilt gewesen.

Mit der Festlegung auf 3,5 Zoll hat sich Apple selbst ein Korsett angelegt, aus dem der Konzern jahrelang nicht herausschlüpfen konnte. Der Erfolg des App Stores ist auch ein Ergebnis der konsequenten Hardwarepolitik. Entwickler haben verlässliche Parameter vorgefunden. In der Androidwelt herrscht hingegen Wildwuchs: Bei der Hardware gleichermaßen wie bei der Software.

Ob die Welt auf ein Vier-Zoll-iPhone wirklich gewartet hat, bleibt ungeachtet dessen eine berechtigte Frage, die erst zu klären ist, wenn die Nutzer Gelegenheit haben, dieses Gerät selbst einmal in die Hand zu nehmen.

 

iPhone 5: Liveblogs und Liveticker (Update: 18:33 Uhr)

Mittwochabend, ab 19 Uhr deutscher Zeit, wird Apple vermutlich das iPhone 5 vorstellen. Im Gespräch ist auch ein neuer iPod Nano. Dass es einen Livestream geben wird, ist unwahrscheinlich. Wer live dabei sein möchte, sollte einen Blick in die vielen Liveticker werfen. Eine Zusammenfassung.

Es lohnt sich, nicht nur ein Blog aufzurufen. Die Vergangenheit lehrt, dass bei Apple-Produktvorstellungen viele Server dem Ansturm nicht stand halten. Nachfolgend eine Liste mit Seiten, die Liveticker und Blogs anbieten.

Deutschsprachige Seiten:

 

Englischsprachige Seiten:

 

Haben wir eine Seite vergessen? Hinweise bitte via Twitter an @maltekir oder als Kommentar auf dieser Seite.

12. September: Apple-Pressetermin zum iPhone 5

Apple hat ausgewählte Medienvertreter zu einer Pressekonferenz am 12. September eingeladen. Wahrscheinliches Thema: Das nächste iPhone, das iPhone 5.

Apples Einladung zum IPhone 5-Event.

Apples Einladung, die “The Loop” als eine der ersten Internetseiten veröffentlicht, lässt wenig Raum für Spekulationen. EIne große 5 wirft ihren Schatten voraus. Ob das nächste iPhone tatsächlich iPhone 5 oder im Stile des jüngsten iPads nur noch iPhone heißen wird, ist eine von vielen spannenden Fragen.

Interessant ist aber auch die Frage, was Apple jenseits der schon durchgesickerten Details noch an Überraschungen präsentieren wird.

Fassen wir einmal die wichtigsten Mutmaßungen zusammen:

– Das neue iPhone soll größer und dabei vor allem höher sein. Die Bildschirmdiagonale steigt dadurch an.

– Das neue iPhone soll einen neuen Dock Connector-Anschluss erhalten, der kleiner ist. Dazu passt, dass Apple dieses Jahr bereits beim MacBook Pro Retina einen neuen MagSafe-Anschluss eingeführt hat. Die Bereitschaft, mit etablierten Anschlüssen zu brechen, scheint also da zu sein.

– Es verdichten sich die Anzeichen, dass das neue iPhone  erstmals eine Nano-SIM nutzen wird, also eine noch kleinere Mobilfunkkarte als seine Vorgängermodelle.

– Einige Seiten spekulieren auch über neue Kopfhörer.

Mit Ausnahme des möglicherweise größeren Bildschirms zeichnen sich momentan noch keine Anreize ab, die Besitzer vorheriger Modelle zum Umstieg motivieren könnten. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Apple noch einige interessante Neuerungen erfolgreich geheim halten konnte. Möglicherweise wird ja auch iOS 6 noch für manche Überraschung gut sein.
In jedem Fall wird die Vorstellung des nächsten iPhones wegweisend sein – für die Branche, aber auch für Apple.

Mit Material von The Loop.

iOS 6: YouTube adé – es lebe YouTube

Apple meint es offenbar ernst mit der Trennung von Google: Nach der Maps-Applikation wird im nächsten großen Update, iOS 6, auch die YouTube-App vom Springboard verschwinden. Aber Abhilfe ist in Sicht: Laut Apple arbeitet Google selbst an einer App, die im App Store verfügbar sein soll.

Für die Nutzer hält sich das Problem damit in Grenzen: Einige werden sich sicherlich wundern, dass die App nicht mehr an der gewohnten Stelle zu finden ist. Auf einigen Seiten wird aber zurecht bereits die Frage gestellt, wer die YouTube-App in iOS zuletzt noch häufig in Gebrauch hatte. Der mobile Abruf via Safari ist wesentlich schneller.

Manche Blogger gehen sogar soweit, die Trennung zu feiern. Denn dass Apple die Software für das Produkt eines anderen schrieb, hat sich zuletzt nicht mehr als segensreich erwiesen. Google hat für sein Android-Betriebssystem schickere Apps für Maps und YouTube bereitgestellt, als dies Apple für seine Geräte machte. Dass Google sich jetzt nicht mehr auf diesen Automatismus verlassen kann, dürfte positive Auswirkungen haben. Bei Maps ist damit zu rechnen, dass der Suchmaschinenkonzern Apple die Stirn bieten wird. Bei YouTube ist noch nicht ganz klar, ob es eine Alternative gibt. Beim Apple TV unterstützt Cupertino zum Beispiel auch die anspruchsvollere Alternative Vimeo. Es wäre denkbar, dass Apple anlässlich des neuen iPhones einen neuen Pakt schließt.

Alles in allem also viel Aufregung um nichts. Die positiven Aussichten überwiegen.

via: The Verge.

Zur Lage der (Mobil-)Nation: iOS 6, Android 4.1 Jelly Bean und Co.

Das waren bewegte Wochen: Apple hat auf seiner Weltentwicklerkonferenz WWDC iOS 6 und ein Retina-MacBook Pro vorgestellt. Google prescht auf der Google I/O mit Android 4.1 Jelly Bean und diversen anderen Neuheiten vor. Und Microsoft arbeitet an Surface, dem ersten eigenen Tablet. Ein Kommentar:

Für Luca Carracciolo von t3n ist der Fall klar: Apple fehle die Vision, schreibt er in einem Kommentar. Mit großem Interesse, aber auch Sorge beobachte er die Produktneuheiten der Wettbewerber. Apple, so sein Fazit, fehle ein Steve Jobs.

Tatsächlich ist dieser Tage eine Vergleichbarkeit zwischen den drei mächtigen IT-Konzernen Apple, Google und Microsoft gegeben. Binnen weniger Wochen hielten sie Entwicklerkonferenzen ab oder präsentierten der Weltöffentlichkeit neue Produkte. Ein Zufall ist das natürlich nicht: Die Konzerne haben erkannt, wie Apples Marketing funktioniert. Wer, wie Microsoft in der Vergangenheit, auf Messen wie der Consumer Electronics Show (CES) seine Neuheiten präsentiert, droht in der Menge der Neuigkeiten unterzugehen. Eigene Events und der passende Zeitpunkt spielen eine große Rolle. Apple und Microsoft fokussieren sich auf einzelne Produkte, Google überschwemmte die Nachrichtenseiten mit Schlagzeilen, um die Mitbewerber vergessen zu machen.

Aber haben die Wettbewerber Apples derzeit eine bessere Vorstellung, wie die Produkte von morgen aussehen?

Microsoft ist in punkto mobiles Betriebssystem sicherlich ernster zu nehmen als Android. Zum einen wird es zwischen Windows 8 und Windows Phone eine enge Verzahnung geben, was den Marktanteil durch die Dominanz im Desktop-Bereich bei den Apps trotz mancher Hindernisse deutlich nach oben befördern dürfte. Zum anderen hat Microsoft bei Windows Phone 7 von Anfang auf eine eigene Philosophie beim Design gesetzt, die sich jetzt als wirkliche Alternative zu iOS/Android auszahlen könnte.

Doch es gibt auch Hürden: Allen voran ist dies die Prozessor-Frage. Surface, das eigene Tablet Microsofts, wird es in zwei Versionen geben: Eine Version mit x86-Prozessor, eine mit ARM. Die unterschiedlichen Versionen von Windows 8 werden einen Keil in das App-Angebot, aber auch in den Hardware-Markt treiben. Das Experiment, mobile und stationäre Betriebssysteme zu vereinen, ist eigentlich angesichts solcher Vorzeichen jetzt schon gescheitert. Zum einen vermag Windows 8 als Desktop-Betriebssystem nicht zu überzeugen, weil Metro-Oberfläche und alter Desktop nebeneinander existieren, womit eben doch kein konsequenter Neuanfang gewählt wurde. Zum anderen ist es eben auch nicht gelungen, eine Brücke über die Prozessorenfrage zu schlagen und damit das selbst gesteckte Ziel zu erreichen.

Googles Vision ist dieser Tage offenbar der Konter. Das Nexus Q ist eine Antwort auf das Apple TV, das Nexus 7 soll Amazons Siegeszug mit dem Kindle Fire stoppen.  Und Android 4.1 Jelly Bean enthält zwar manch interessante Neuerung (wie iOS 6 übrigens auch), schafft aber keinen nennenswerten Vorsprung gegenüber Apple – wenn überhaupt, zieht das System wieder ein Stück weit mit iOS gleich. Ursächlich dafür war aber eher Ice Cream Sandwich (Android 4.0), das Android zu einer neuen Optik und einer viel besseren Handhabung verhalf.

Ein Problem freilich bleibt: Die Fragmentierung. Scott Forstall, Apples iOS-Chefentwickler, rechnete jüngst vor, dass die aktuelle iOS-Version 80 Prozent der Nutzer erreicht, Android 4.0 dagegen nur sieben Prozent. Mangelndes Interesse ist dafür sicher nicht die Ursache, sondern mangelnde Bereitstellung durch die Gerätehersteller. Das gleiche Problem wird auch Jelly Bean ereilen und damit hängt Googles System weiterhin in einer Spirale der Abwärtskompatibilität fest. Appentwickler können sich neue Funktionen der SDKs nicht sorgenfrei zunutze machen, weil sie fürchten müssen, große Nutzerkreise auszuschließen.

Apple hat solche Sorgen nicht: iOS 6 wird – wie gewohnt – große Teile der Nutzerschaft erreichen. Der Schwerpunkt der Weiterentwicklung beruht – unschwer zu erkennen – derzeit auf drei Säulen: iCloud, Siri und Retina. Die iCloud erweist sich immer mehr als goldene Brücke zwischen Desktop- und mobiler Welt. Fotostream, Notizen, Mail und aktuell die Synchronisation aufgerufener Seiten im Safari-Browser sind sinnvolle Anwendungen der Datenwolke, da sie dem Benutzer, der immer mehr Geräte parallel benutzt, lästiges Neueintippen oder manuelles Übertragen ersparen. Und weil die Apple-Welt so homogen ist, muss sich Apple nicht mit Problemen herumschlagen, wie sie Google und Microsoft vorfinden. Siri, die zweite Säule, wird weiter an Bedeutung gewinnen, wobei hier die Fortschritte bei Apple ziemlich langsam sind und die Konkurrenz längst aufholt. Retina schließlich ist derzeit ein Alleinstellungsmerkmal.

Zugegeben: Neue Visionen sind das nicht. Aber es ist eben auch keine Visionslosigkeit. Vielmehr sind die Entwicklungen vom übergeordneten Ziel getragen, durch ein höheres Maß an Synchronisation und Komfort die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. In einem Markt starker Mitbewerber sind es gerade die Feinheiten, die bei der Wahl eines mobilen Betriebssystems ausschlaggebend sein können.

Dass Apple nicht an vagen Entwicklungsspielereien wie Google Glass versucht, wie Carracciolo es kritisiert, ist übrigens keine neue Entwicklung: Unter Steve Jobs war der Zwang, perfekte Produkte abzuliefern, sogar noch größer. Eine Siri-Betaversion, die schon so lange unvollkommen ist, hätte es mit ihm vermutlich nicht gegeben. Apple ist schon viel wagemutiger geworden, sich entwickelnde Produkte auf den Markt zu werfen. Rückschläge, wie bei MobileMe, nahm Jobs sehr persönlich. Google hat damit hingegen kein Probleme, wenn man mal die Liste betrachtet, welche Projekte in der Vergangenheit bereits eingestampft wurden.

Link: Apple: Es fehlt die Vision [Kommentar] » t3n News.