iPhone SE im Test: Klein und sehr fein

Die Deutschen lieben ihr Handy. Nirgendwo in der Welt gibt es diesen englisch klingenden Begriff. Die Briten sprechen vom Mobiltelefon, die Amerikaner sogar recht technisch vom Cell Phone in Anlehnung an die Zellenstruktur vom Mobilfunknetz. Warum ist das? Weil das Mobiltelefon in den 1990er-Jahren so schön klein war und mit jedem Modell kleiner wurde. Das änderte sich schlagartig mit den Smartphones. Und es ging so weiter, dass wir seit dem Jahr 2007 eine schleichende Vergrößerung erleben. Nicht ohne Grund werden aktuelle Großmodelle in Anlehnung an ihr Tablet-Format auch schon mal “Phablets” genannt.

Im Jahre 2016 erleben wir aber eine große Firma in Kalifornien, die sich mit einem kleinen Gerät gegen diesen Trend stemmt. Apple hat das iPhone SE auf den Markt gebracht. SE steht für Special Edition. Und ist wahrlich etwas Besonderes in der Landschaft der Großgeräte: Es ist bis auf Kleinigkeiten genauso leistungsfähig wie das aktuelle Topmodell iPhone 6s und das ist einem wesentlich kleineren Gehäuse: Eine beeindruckende Ingenieursleistung.

Die Frage, die uns zum Beginn einer zweiwöchigen Testphase beschäftigte, war aber: Ist ein Gerät mit Vier-Zoll-Display heute noch zeitgemäß? Oder sind wir durch die größeren iPhones und Mitbewerber-Geräte schon “versaut”.

Nicht jeder will ein großes Display

iPhone SE
Zurück zum Vier-Zoll-Display: Das iPhone SE.

Zunächst ist zu bedenken, dass der Wunsch nach einem riesigen Display längst nicht so allgemeingültig ist wie etwa der nach weniger Gewicht oder nach schnellerem mobilen Internet, so wie es bei den ersten Smartphones der Fall war. Trotz beachtlicher Verkaufserfolge der Großgeräte blieb das kleine iPhone im Alltag präsent und Apple selbst räumte bei der Präsentation des iPhone SE, dass das iPhone 5S trotz veralteter Technik noch gut verkauft wurde. Wer also vom iPhone 5S oder einem früheren Gerät kommt, wird diesen Vorbehalt der Verkleinerung gar nicht haben – und alleine hierin steckt ein großes Potenzial.

Aber auch der Besitzer eines großen Geräts, wird – wie der Autor – die Vorzüge des kleinen Formats nicht bestreiten können. Das iPhone SE, das im Design der iPhone 5-Linie gleicht, ist ein Handschmeichler. Erstmals hat Apple eine iPhone-Bauform ein drittes Mal verwendet – aber das aus guten Gründen: Das iPhone SE ist 5,86 cm breit und liegt damit gut den Fingern, ist mit 12,4 cm zugleich so hoch, dass es mit einer Hand gut zu bedienen ist und dabei möglichst viel Platz für die Bildschirmanzeige herausholt. Es ist zugleich nicht so glatt und rutschig wie die 6-er-Modelle, bei denen sich der Einsatz einer Hülle empfiehlt, damit man es nicht aus der Hand verliert.

Ausstattung wie die Großen

Im Inneren arbeitet der aktuelle A9-Prozessor, der gemessen am iPhone 5S einen deutlich spürbaren Geschwindigkeitsgewinn bewirkt. Die 12-Megapixel-Kamera macht das iPhone SE zu einer kompakten und überaus leistungsfähigen “Taschenknipse”, die sogar Videos in 4K-Auflösung (bei 30 Bildern pro Sekunde) aufnehmen kann. Die Akkulaufzeit beträgt rund 14 Stunden. Im Test fanden wir selbst nach einem lebhaften Tag noch fast einen halb geladenen Akku vor. Laut Apple ist ein besserer Akku im Einsatz. Aber vor allem zahlt sich das kleine Display aus, denn der Bildschirm ist statistisch immer noch der Hauptverbraucher an Energie.

Nachteile gegenüber dem iPhone 6s muss man wirklich suchen: Da ist zunächst das Nichtvorhandensein von 3D Touch, jener drucksensitiven Erweiterung der Steuerung, auf die Apple aber auch bei den iPad Pro-Modellen verzichtet hat. Der Fingerabdruckscanner Touch ID ist noch ein Modell der ersten Generation. Das muss kein Nachteil sein, denn nun bleiben die Meldungen im Sperrbildschirm auch mal stehen, wenn man mit dem Scanner-Finger den Home-Button antippt. Wer viele Selfies macht, wird vielleicht an der niedrigeren Auflösung der Frontkamera (1 statt 5 MP) Anstoß nehmen. Das Fehlen des Barometers, das Treppensteigen dokumentiert, wird wohl kaum jemandem auffallen.

Das günstigste iPhone

Mit 489 Euro für das 16-Gigabyte-Modell ist es sogar das erste iPhone, das Apple unter 500 Euro verkauft. Glücklicher wird man jedoch mit der 64-GB-Version, die dann schon 589 Euro kostet. Dass Apple nicht mehr Speicher anbietet, zeigt, dass sich das Gerät an eine bestimmte Zielgruppe richtet, die nicht Gigabytes an Apps, Fotos und Daten auf ihren Smartphones haben. Das iPhone SE ist in vier Farben erhältlich, wobei rosé-gold erstmals bei dieser Bauform existiert.

Fazit

Unter dem Strich ist das iPhone SE ein Handy im besten Wortsinne. Es ist kein Gerät, das vor technischen Neuheiten strotzt, die die Welt noch nicht gesehen hat, sondern eine gelungene Zusammenstellung dessen, was technisch Stand der Dinge ist, in einer Bauform, die sich viele Kunden wünschen. Wer ein kleines Smartphone sucht, dem kann gesagt werden: Mehr Handy braucht man derzeit nicht.

Hinweis: Über das iPhone SE haben Jean-Claude Frick und ich auch im Apfelfunk gesprochen.

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