Unerhört – Apple HomePod im Test

Der HomePod liefert ab, was von einem Lautsprecher im Idealfall zu erwarten ist: Er klingt exzellent. Wer mehr erwartet, ist meist eh schon bei der Konkurrenz daheim.

Es gibt zwei Betrachtungsweisen für  den HomePod von Apple: Die, was er laut dem Hersteller sein soll. Und die, was er aus Sicht des Nutzers sein könnte. Anhand dieser Unterscheidung erklärt sich, warum die Meinungen über den vernetzten Lautsprecher zum Teil so weit auseinandergehen.  Ich habe zwei HomePods mehrere Wochen lang getestet.

Das, was Apple am besten kann – Dinge vereinfachen – wird gleich bei der Installation des ersten HomePods deutlich:  So nahtlos wie seine Verpackung präsentiert sich auch der knapp 350 Euro teure HomePod selbst mit seinem Stoffüberzug. An die Steckdose angeschlossen, bietet er  sich auf dem daneben liegenden iPhone gleich als neues Gerät im Haushalt ein. Einmal Antippen auf dem Bildschirm, schon werden WLAN-Passwort, Apple ID und alle nötigen Daten automatisch übertragen und eingerichtet. Nach kurzer Zeit meldet sich Sprachassistentin Siri und gibt ein paar Tipps zur Bedienung. Einfacher geht es wirklich nicht. Und das macht schon einmal einen Unterschied zu Wettbewerbern aus, die  einem meist erstmal die Installation einer App, das Verbinden über WLAN mit dem Lautsprecher oder sonstiges abverlangen.

Kleiner und schwerer als erwartet

Erstmals in die Hand genommen, präsentiert sich der HomePod anders, als ihn viele von Bildern erwarten dürften. Er ist mit 17,2 Zentimetern Höhe recht klein, mit seinen 2,5 Kilogramm aber dafür ungewöhnlich schwer. Es gibt ihn in weiß und schwarz. Auf der Oberseite ist eine Touch-Oberfläche. Einfaches Antippen startet und stoppt die Wiedergabe, mit eingeblendeten Plus- und Minus-Tasten kann die Lautstärke reguliert werden. Mehrfaches Antippen ermöglicht das Ansteuern von Siri oder das Aufrufen des nächsten Liedes. Viele dürften aber der Sprachsteuerung den Vorzug geben.

Die Schnörkellosigkeit im Design und in den Abläufen setzt sich bei der Bedienung fort. Es gibt kaum Einstellungen beim HomePod. Wer diese trotzdem sucht, wird in der Smart-Home-App „Home“ in iOS fündig. Auch unser zweites Testgerät findet sich dort später wieder, das von sich aus anbietet, mit dem ersten HomePod ein Stereopaar zu bilden. In der „Home“-App kann dieses auf Wunsch wieder aufgeteilt werden.

Top: Die Klangqualität

Der zweite Punkt, bei dem Apple nicht zu viel verspricht, ist die Klangqualität. Ein HomePod klingt schon sehr gut. Zwei HomePods im Verbund klingen – aus Sicht des Audio-Laien – fantastisch. Es ist beeindruckend, wie viel der Lautsprecher aus den Stereospuren an Details herauskitzelt. Gute Qualität wird dem Klang auch von fachlicher Seite bescheinigt: Die Fachzeitschrift „Audio“  schwärmt regelrecht für den Lautsprecher. Zwar gibt es im Netz vereinzelt Stimmen von Käufern, die ihm eine Bass-Lastigkeit unterstellen, so wie sie von den „Beats“-Kopfhörern von Apple bekannt ist. Diese Einschätzung teilen wir jedoch nicht. Zwar zeigt der HomePod an den entsprechenden Stellen auch mal „Wumms“. Allerdings in einem Maße, wie es dem Hörgenuss förderlich ist, und stets in einem Verhältnis zu den Hochtönen, dass diese von den tiefen nicht „verschluckt“ werden.

Das Erleben der Nutzer ist aber verschieden und gerade bei der Definition von  gutem Ton scheiden sich oftmals die Geister. Es könnte aber auch damit zusammenhängen, dass sich der HomePod seiner Umgebung per Vermesserungstechnik anpasst. Dies dürfte seinen Klang  von Fall zu Fall verändern.

So ein kabelloser, vernetzter Lautsprecher regt natürlich die Fantasie des Nutzers an, was sich noch damit anfangen ließe. Auch die Konkurrenz von Amazon (Alexa) und Google (Assistant) leistet ihren Beitrag dazu, weil sie mit ihren smarten Sprachassistenten zeigt, was bereits  möglich ist. Apple selbst sagt in seinen Pressemitteilungen nicht, dass der HomePod in dieser Gerätegattung unterwegs ist. Gleichwohl spielt der Hersteller dennoch ein wenig mit diesen Begehrlichkeiten, weil Siri nicht nur angepriesen wird, um Musik und Podcasts auf dem Gerät zu steuern, sondern auch, um Wetterberichte abzurufen, Wissensfragen zu stellen, Sätze zu übersetzen oder um Smart-Home-Geräte wie Dimmer und Steckdosen zu steuern.

Im Vergleich zu Alexa & Co. haben Siri-Nutzer auf dem HomePod aber schnell das Nachsehen. Das, was sie erklärtermaßen kann, kann sie gut. Verborgene „Schätze“ sucht der Nutzer hingegen eher vergeblich. Gleichwohl hat das Mehr an Vielfalt bei der Konkurrenz bislang auch seinen  Preis – sie gründet nämlich auf einer großen Datensammelwut der Konzerne, ohne die diese Funktionen zumeist nicht möglich wären. Apple spielt hingegen die Datenschutz-Karte. Siri soll eine besonders diskrete Ansprechpartnerin sein.

Der HomePod, der Apfel und das Paradies

Ein anderer Punkt, der bei vielen Interessierten eine Frage spielt, ist, wie unabhängig von anderen Geräten der HomePod funktioniert. Apple selbst macht kein Geheimnis daraus, dass mindestens ein iPhone 5s, ein iPad oder ein iPod Touch bestimmter Modellgenerationen vorliegen müssen, um den HomePod zu nutzen. Und es wird auch im Gebrauch deutlich, dass die Nahtlosigkeit in der Verzahnung mit den Apple-Diensten und Geräten gründet. Beispiel Apple Music. Der Streamingdienst ist am besten integriert, kann auch unabhängig vom iPhone auf dem HomePod genutzt werden, wohingegen Mitbewerber wie Spotify zwar über die Schnittstelle AirPlay 2 auf dem HomePod anhörbar sind, aber eben nur über das Ausspielgerät steuerbar sind.

AirPlay 2 hat dem HomePod übrigens auch Mehrraumfähigkeiten verliehen. Schon vorher konnte er als Freisprechgerät fürs iPhone verwendet werden.

Auch der Verwendung des HomePods als Systemlautsprecher für den Mac oder  als Soundbar für den Fernseher im Zusammenspiel mit einem Apple TV sind Grenzen gesetzt.  Zwar ist dies über die Einstellungen des Macs oder des Apple TVs einfach und schnell möglich. Zum Teil gibt es aber deutliche Latenzen im  Betrieb, was im Idealfall bedeutet, dass die Musik auf dem HomePod manchmal erst eine oder zwei Sekunden nach dem Druck auf den Pause-Knopf stoppt.  Aber auch im Zusammenspiel mit Videos entstanden manchmal unschöne Verschiebungen zwischen Bild und Ton. Seit dem Update auf iOS 11.4.1 waren in unserem Test allerdings deutliche Verbesserungen festzustellen. Dies lässt für die Zukunft hoffen.

Fazit

Der HomePod – da besteht kein Zweifel – ist nicht für jedermann die erste Wahl.  Diejenigen, die ihn am schärfsten kritisieren, sind oft schon bei der Konkurrenz gelandet. Wer jedoch im Apple-Universum zuhause ist und einen ideal in iOS  integrierten kabellosen Lautsprecher sucht, der obendrein sehr gut klingt, wird im HomePod fündig. Unsere Lieblingsfunktion nach drei Wochen hört auf das Kommando: „Hey Siri, spiele Gute-Laune-Musik.“ Das, was er können soll, kann der HomePod unerhört gut.

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