Drei Fragen an Filtr.de

 

Filtr ist ein neuer Newsaggregator
Filtr ist ein neuer Newsaggregator

Im Rahmen der neuen Reihe „Drei Fragen an“ werfen wir einen Blick hinter die Kulissen interessanter Internet-Projekte. Den Auftakt macht Filtr.de, der neue Tech-News-Aggregator von Marcus Schuler, Frederic Lardinois und Jean-Claude Frick. Wir durften mit Jean-Claude über das Projekt sprechen.

Was ist Filtr.de und warum sollte ein Tech-Interessierter unbedingt mal bei Euch vorbeischauen?

Jean-Claude Frick: Filtr ist das deutschsprachige Techmeme. Es geht darum, mit der Seite im Dschungel der täglichen Tech News einen Überblick zu erhalten. Die handverlesenen Tech-Links stellen sicher, dass keine wichtige Nachricht untergeht und helfen mit ihrer Rangliste, eine Ahnung davon zu bekommen, welche Nachrichten wichtig sind und welche etwas weniger.

Durch die Subthemen sieht man auf einen Blick, was die einzelnen Tech-Seiten über ähnliche oder gleiche Themen schreiben.

Pendants zu Größen wie TechCrunch oder The Verge gibt es im deutschsprachigen Raum gar nicht, weil die Musik bei den Technews hauptsächlich in Übersee gespielt wird und die einfach auch viel schneller sind, da sie News nicht erst übersetzt müssen – warum habt Ihr Euch bei Filtr trotzdem für einen deutschsprachigen News-Aggregator entschieden?

Jean-Claude: Die großen deutschen Tech-Seiten wie zum Beispiel Mobilegeeks.de und Stadt-Bremerhaven.de kommen pro Monat auf über 2 Millionen Unique Visitors. Es gibt also klar ein Bedürfnis, auf Deutsch über Tech Themen informiert zu werden. Auch  wenn die Ami Blogs oft (aber nicht immer) schneller sind, hat sich die deutschsprachige Tech-Blogger Szene eine große Fangemeinde erarbeitet.

Auch in den „großen“ Medien wie Spiegel.de etc. finden Tech Themen immer öfter statt. Das Angebot ist inzwischen also sehr groß. Hier kann eine Seite wie Filtr.de den nötigen Durch- und Überblick verschaffen.

Bei Euch arbeitet kein Automat, sondern die News sind handverlesen. Wie groß ist der Aufwand und – ohne das Geheimrezept zu verraten – wie sieht Euer Workflow aus, um News ins System zu stellen?

Jean-Claude: Der Aufwand ist relativ groß. Kommt natürlich darauf an, was gerade so an Tech News reinkommt. Andererseits arbeiten wir drei ja eh als Tech Journalisten und sind im allgemeinen sehr gut informiert. Daher entfällt die grundsätzliche Recherchearbeit, da wir das eh den ganzen Tag über schon tun, es geht also meistens „nur“ noch darum die News zu erfassen und ihre Relevanz zu bewerten.

Ich habe unseren Workflow mal ein wenig beschrieben im Filtr Blog:  http://filtr.de/blog/2013/01/29/kleiner-blick-hinter-die-kulissen/

Die Kabelhelden gehen an den Start

Kabel Deutschland startet die "Kabelhelden"
Kabel Deutschland startet die „Kabelhelden“

Kabel Deutschland startet eine eigene Feedback-Community namens Die Kabelhelden. Das Beispiel von Telekom hilft macht Schule.

Alles Einzelfälle: Es ist nachvollziehbar, dass Unternehmen Probleme gerne erstmal als Einzelschicksale betrachten – führt doch das Eingestehen eines gehäuft auftretenden Problems zu einem Reputationsschaden, von dem im schlimmsten Fall auch Mitbewerber profitieren könnten, die in die Kerbe schlagen.

Doch die Zeiten, in denen es Kommunikationsstrategen tatsächlich gelang, das Bild des Einzelschicksals zu zeichnen, sind spätestens seit dem Massenerfolg von sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook passé.

Es ist auch ein Irrglaube, dass Kunden aus Scham, dass es an ihnen liegen könnte, lieber öffentlich schweigen. Was auf einer Unternehmenswebsite an Problembeschreibungen und -lösungen nicht zu lesen ist, findet sich dann halt anderswo im Netz wieder – oft mit Kommentaren und Anmerkungen versehen, die Probleme überzeichnen oder mit andere Negativerlebnissen verknüpfen.

Mittlerweile gilt deshalb: Angriff ist die beste Verteidigung. Die Telekom, die ja jahrelang durch einen Callcenter-Dickicht glänzte, in dem sich Fragesteller schon mal verlieren konnten, glänzt zumindest im Internet mittlerweile mit Telekom hilft. Fragen können dort einfach und unbürokratisch gestellt werden. Telekom-Mitarbeiter, aber auch andere Nutzer, stehen Fragestellern helfend zu Seite.

Klar, dass das nicht immer funktioniert oder zumindest nicht immer zur Zufriedenheit des Fragestellers. Doch das Prinzip der so genannten Feedback Community ist ein Erfolgsrezept – für beide Seiten: Die Fragesteller haben eine zentrale Anlaufstelle und müssen nicht erst verschiedene Foren durchprobieren, bis sie wirklich auf Experten stoßen oder eine Antwort bekommen. Die Antwort ist ja in den meisten Fällen garantiert, da die Firmen festangestellte Experten beschäftigen, die zumindest jede begründete Frage beantworten sollen.

Die Unternehmen holen sich auf der anderen Seite ein wenig die Hoheit darüber zurück, wo und wie über sie gesprochen wird. Zwar steht es keiner Firma gut zu Gesicht, Beiträge zu zensieren, sofern Nutzer nicht eklatant gegen allgemein gültige Regeln des Miteinanders verstoßen. Dadurch, dass die Firmen die Foren moderieren, können sie aber unbegründeten Anfeindungen zumindest etwas entgegen setzen. Im besten Fall glänzen sie durch Kompetenz und bei begründeten Fällen durch Einsicht.

Jetzt wagt sich also auch Kabel Deutschland mit den Kabelhelden in das Feld der Feedback Communities. Mehrere Monate wurde mit 240 Nutzern getestet, acht Experten stehen bereit und in Unterföhring bei München ist allen klar, dass es nicht nur gute Worte geben wird. Die Ausgangslage ist der der Telekom ziemlich ähnlich.

Wenn das, was in der derzeitigen Betatest-Umgebung zu lesen war, auch in der Realität gelebte Praxis bleibt, werden Kunden und Unternehmen deutlich davon profitieren.

www.diekabelhelden.de

Filtr, 10000flies & Co.: Zeitalter der Aggregatoren

Filtr ist ein neuer Newsaggregator
Filtr ist ein neuer Newsaggregator

Mal einen Tag keine Zeit gehabt, schon läuft der RSS-Reader über: Dieses Problem kennen vermutlich viele Tech-Interessierte. Aggregatoren versprechen Abhilfe. Doch fördern sie auch die Vielfalt und stoßen ihre Nutzer auf besondere Fundstücke?

Ja, auch in Deutschland hat jetzt das Zeitalter der Aggregatoren begonnen. Was TechMeme in den USA ist, wollen Filtr und 10000flies im deutschsprachigen Raum werden. Die beiden letztgenannten Seiten sind vor kurzem gestartet.

Hinter Filtr stecken Frederic Lardinois, Marcus Schuler und Jean-Claude Frick vom Geek-Week-Podcast. Die drei filtern das Newsgeschehen ohnehin ständig für ihre Sendung – da lag es vermutlich nahe, das Ganze ein Stück weit zu professionalisieren und eine Seite draus zu machen. Vor einigen Monaten hatte sich Marcus Schuler mit Techslash bereits an einen täglichen Newsletter gewagt. Das Projekt wurde jedoch wieder eingestellt. Der Aufwand war immens. Und offenbar fehlten Mitstreiter.

Filtr läuft augenscheinlich halb-automatisiert: Entwickler der Software ist laut der jüngsten Geek-Week-Ausgabe Frederic Lardinois. Zusammen bestücken die drei Herausgeber das Portal fortwährend mit News, die entsprechend einiger Kriterien wie Facebook-Likes, Tweets, etc. in ihrer Relevanz gewertet werden, wobei aber wohl auch eine Bewertung durch die Herausgeber einfließt.

Einen anderen Ansatz verfolgt 10000flies. Die Seite erzeugt täglich Charts, die nur durch die sozialen Medien gespeist werden. Folglich ist die redaktionelle Leistung geringer als bei Filtr. Zugleich hält sich die Übersicht länger, weil nur täglich neu generiert wird.

Zu den Vorteilen der beiden neuen Dienste zählt vor allem die Komprimierung des Nachrichtengeschehens. Wer mehrere RSS-Feeds liest, liest vieles doppelt und dreifach, weil die Nachrichtenportale wesentliche News alle gleichzeitig bringen. Durch die Zahl der Erwähnungen ergibt sich zugleich eine Relevanzeinschätzung, die von den Aggregatoren dabei hilft, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden.

Doch wie es ist mit besonderen Blogs und anderen Fundstücken? Hierfür sind die Aggregatoren keine große Hilfe. Ihr Kriterium ist vor allem die Popularität. Das dokumentieren die vielen Boulevardthemen, die zum Beispiel bei 10000flies gelistet werden. Filtr ist hier etwas besser, dokumentiert die Vielfalt im wesentlichen aber auch nur in den Details, die sich in den Artikeln zu den gleichen Themen voneinander unterscheiden.

10000 Fliegen können sich nicht täuschen, das ist wahr. Aber sie fliegen halt immer zu den gleichen Dingen. Wer auch mal über den Tellerrand schauen und was Neues entdecken möchte, muss weiterhin seine RSS-Feeds im Auge behalten. Eine nette Ergänzung sind die Aggregatoren aber schon.

Smart TV: Kaum einer surft mit dem Fernseher im Internet

Überraschung, Überraschung: Kaum einer surft mit seinem Fernseher im Internet. Das hat eine Studie der NPD Group in den USA ergeben, wie die Kollegen von Golem.de berichten.

Nur jeder Zehnte nutzt demzufolge den Webbrowser im Fernseher. Beliebt sind dagegen HD-Filme übers Netz (60 Prozent) und Musikstreaming (16 Prozent) – Anwendungen, für die man ja normalerweise auch Fernsehgeräte kauft.

Doch was lernen wir daraus? Beim Fernseherkauf sollte man sich nicht durch Internet-Funktionen blenden lassen. Entscheidend ist, was man mit dem Fernseher die meiste Zeit macht: Nämlich Fernsehen.

Sackgasse? Die 25 beliebtesten Wikipedia-Artikel 2012

Jahresrückblicken ist ja eigentlich selten etwas Neues bzw. Spannendes abzugewinnen. Dass jedoch der Begriff Sackgasse der meist gesuchte Begriff des Jahres 2012 bei Wikipedia ist, überrascht nicht nur die Kollegen von t3n.

Wikipedia:

Bei einer Sackgasse oder Stichstraße (selten auch Sackstraße) handelt es sich um eine für Anliegerverkehr bestimmte kurze Gasse oder Straße, die nur von einem Ende her zugänglich ist. Sie besitzen in der Regel am Ende eine Wendemöglichkeit für Fahrzeuge.

Soweit, so gut. Interessant ist am Artikel vor allem, dass es hierzulande noch Variationen des Sackgassen-Schildes gibt, die wahrscheinlich den meisten nicht bekannt sind (durchlässig für Fußgänger bzw. Radfahrer). Oder hat diese Schilder irgendjemand schon mal in freier Wildbahn gesehen? Wir freuen uns über Hinweise!

iPad-Zeitung The Daily wird eingestellt

Nanu, heißt es nicht in der neuesten Folge des Geek Week-Podcasts zum wiederholten Male, dass es Zeitungen auf „Totholz“ bald nicht mehr geben wird, weil alle nur noch online lesen wollen. Wie passt das denn dazu?

(Ich habe übrigens nichts gegen Geek Week, sondern höre den Podcast sogar sehr gerne. Nur die einseitig geführte Debatte über Zeitungen, insbesondere seitens des Herrn Frick, empfinde ich als anstrengend.)

Totholz

Wenn Jean-Claude Frick im Geek Week-Podcast regelmäßig seine Tiraden gegen das Totholz zum Besten gibt, kann sich man als geneigter Hörer manchmal nicht das Schmunzeln verkneifen.

Wenn Frick Nachrichten nur noch auf dem Smartphone liest, sollte er sich mal überlegen, wo die eigentlich herkommen. In vielen Fällen sind es nämlich die Zeitungsleser, die Frick diesen Luxus durch ihre Liebe zum Totholz finanzieren. Es ist wohl kaum zu bestreiten, dass die Netzgemeinde massiv davon profitiert, dass Zeitungen ihre Nachrichten auch ins Netz stellen.

Nun kann man seine Nachrichten natürlich auch über Funk und Fernsehen beziehen – doch auch hierbei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die einen nicht zu unterschätzenden Teil ihrer Berichterstattung von Nachrichtenagenturen beziehen, die – oh Wunder! – maßgeblich von Printmedien finanziert werden.

Wir reden hier folglich nicht über Papier, sondern über die Finanzierung von Journalismus. Im Gegensatz zum Papier wollen online nur wenige Leser dafür zahlen und wer als Herausgeber alleine in der Werbung sein Wohl sucht, der schließt einen gefährlichen Pakt, weil Werbetreibende es sehr wohl auszunutzen wissen, wenn die Berichterstatter alleine von ihrer Gnade abhängig sind.

Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, hat einige sehr intelligente Worte zum Thema Journalismus im Netz geschrieben. Sie sind dem Geek Week-Team eher ans Herz zu legen als die Weisheiten von Sascha Lobo, der den Journalismus augenscheinlich auf einen Liveticker reduzieren möchte.

iOS 6: YouTube adé – es lebe YouTube

Apple meint es offenbar ernst mit der Trennung von Google: Nach der Maps-Applikation wird im nächsten großen Update, iOS 6, auch die YouTube-App vom Springboard verschwinden. Aber Abhilfe ist in Sicht: Laut Apple arbeitet Google selbst an einer App, die im App Store verfügbar sein soll.

Für die Nutzer hält sich das Problem damit in Grenzen: Einige werden sich sicherlich wundern, dass die App nicht mehr an der gewohnten Stelle zu finden ist. Auf einigen Seiten wird aber zurecht bereits die Frage gestellt, wer die YouTube-App in iOS zuletzt noch häufig in Gebrauch hatte. Der mobile Abruf via Safari ist wesentlich schneller.

Manche Blogger gehen sogar soweit, die Trennung zu feiern. Denn dass Apple die Software für das Produkt eines anderen schrieb, hat sich zuletzt nicht mehr als segensreich erwiesen. Google hat für sein Android-Betriebssystem schickere Apps für Maps und YouTube bereitgestellt, als dies Apple für seine Geräte machte. Dass Google sich jetzt nicht mehr auf diesen Automatismus verlassen kann, dürfte positive Auswirkungen haben. Bei Maps ist damit zu rechnen, dass der Suchmaschinenkonzern Apple die Stirn bieten wird. Bei YouTube ist noch nicht ganz klar, ob es eine Alternative gibt. Beim Apple TV unterstützt Cupertino zum Beispiel auch die anspruchsvollere Alternative Vimeo. Es wäre denkbar, dass Apple anlässlich des neuen iPhones einen neuen Pakt schließt.

Alles in allem also viel Aufregung um nichts. Die positiven Aussichten überwiegen.

via: The Verge.

Bakublog

Stefan Niggemeier und Lukas Heinser sind wieder mit ihrem beliebten Videoblog zum Eurovision Song Contest zurück. Dieses Mal wird es jedoch heikel: In Aserbaidschan lässt es sich nicht so leicht fröhlich über den Unterhaltungsklamauk berichten, wie zuvor in Düsseldorf und in Oslo.

Im ersten Moment habe ich mich für Aserbaidschan gefreut. Dass ein aus deutscher Sicht so exotisches Land den Eurovision Song Contest (ESC) gewinnen konnte, war ein schönes Zeichen, dass diese kleinen Länder eben nicht nur als Kulisse für die Großen mitmachen dürfen, sondern bei guten Liedern tatsächlich eine reelle Siegchance haben. Und das Lied aus Aserbaidschan war fraglos ein gutes, der Gewinn des ESC vollkommen verdient.

Ein Jahr später stellt die westliche Welt verdutzt fest, dass Aserbaidschan es mit gleichen Chancen für alle nicht so hält – zumindest nicht, wenn es um seine eigene Bevölkerung oder Armenien geht. Im Vorfeld wurde verschiedentlich darüber berichtet, dass Einwohner vertrieben und ihre Häuser eingeebnet wurden, um den Bau der Crystal Hall für den beliebten Musikklamauk zu ermöglichen. Das will irgendwie gar nicht in das Bild der Harmonie passen, dass der ESC von sich zeichnet.

Diese Situation macht auch denjenigen das Leben schwer, die darüber berichten. Einige Medien haben sich zurecht bereits eine Schelte dafür eingefangen, allzu unkritisch über Aserbaidschan und den ESC zu berichten. Nun ist es eine schwierige Gratwanderung, auf der einen Seite den Leuten zu gefallen, die belustigt werden wollen, andererseits aber auch zu vermitteln, was eben nicht so lustig ist – einfach, weil es zum Gesamtbild dazugehört und weil es die vornehmste Pflicht eines jeden Berichterstatters ist, vollständig zu informieren.

Stefan Niggemeier und Lukas Heinser haben vor zwei Jahren mit dem Videobloggen vom ESC angefangen. Oslog hieß das beim ersten Mal. Und weil mit Lena Meyer-Landrut der ESC in Deutschland gerade seinen angestaubten Charme verlor und Lena den Titel für Deutschland holte, war die Fortsetzung namens Duslog quasi vorprogrammiert.

Natürlich war es vor allem der Verdienst von Stefan Raab, dass der ESC in Deutschland wieder erfolgreich war. Doch Stefan und Lukas haben mit ihrer unkonventionellen Berichterstattung im Internet auch einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Sie zeigten, dass mit technisch bescheidenen Mitteln und in Zehn-Minuten-Clips ein weitaus gehaltvolleres Programm möglich ist, während es die Öffentlich-Rechtlichen trotz modernster Technik, vielen Leuten und irrsinnigem Aufwand jahrelang nicht hinbekamen).

Jetzt also Bakublog: Unterhaltungsprogramm aus politisch wenig unterhaltsamen Gefilden. Dieser Spagat gelingt den beiden relativ gut. In einer der ersten drei Folgen zeigen sie eine Straße und Stefan erinnert daran, dass hier bis vor kurzem noch Häuser standen. Auch ironische Andeutungen in Bezug auf den Bau des Pressezentrums (Folge 3) oder das Zeigen einer Szene, wo Sicherheitskräfte die beiden erst von der Straße vertreiben wollen, beim Aufzeigen des ESC-Presseausweises jedoch einen guten Tag wünschen und weiterziehen, beleuchten die Risse in der Heile-Welt-Fassade Bakus.

Ein bisschen fader Beigeschmack bleibt aber trotzdem: Die Hoffnung, dass die mediale Öffnung gen Westen positive Entwicklungen in dem Land anstößt, lässt sich bislang schwerlich erkennen. Vergleichbare Situationen gibt es auch bei anderen Unterhaltungs-Events, zum Beispiel bei der Fussball-EM (Ukraine) oder bei der Formel 1 (Bahrain).

Es ist eine riesige Herausforderung für den Westen, eine angemessene Art der Begleitung solcher Events zu finden. Vielleicht ist auch alles verkehrt, egal wie man es macht.

Von allem, was ich bislang vom ESC gesehen habe, ist der Bakublog jedoch herausragend gut.

Hinweis: Ich habe Stefan Niggemeier vor ein paar Tagen mehrere Fragen per E-Mail geschickt. Sobald ich eine Antwort erhalte, werde ich erneut berichten.