Otto Now E-Scooter im Test: Rock’n’roll?

E-Scooter waren das Trendgefährt des Sommers 2019. Wer einen kaufen wollte, musste sich lange gedulden. Mittlerweile ist es leichter. Aber will man so einen Roller wirklich dauerhaft im Keller stehen haben? Eine Alternative ist das Leasing. Ein Selbstversuch.

Am E-Scooter scheiden sich bekanntlich die Geister. Für die einen ist es das Schließen einer Lücke in der Mobilitätskette (die momentan eh unterbrochen ist). Für die anderen Klamauk und Unfallrisiko. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass es im vergangenen Jahr vor allem Mietgeräte in den Großstädten waren, die zum Maß der Dinge wurden.

Wer hingegen einen für den Straßenverkehr zugelassenen Roller kaufen wollte, musste sich lange gedulden. Die Nachfrage übertraf das Angebot bei weitem. Für unter 1000 Euro war kaum etwas zu bekommen. Im Winter hat sich das – wohl auch wegen der Nicht-Saison – deutlich geändert.

Das Angebot

Mit einer anderen Alternative machte die Firma Otto Now, eine Tochter des bekannten Versandunternehmens, von sich reden: Leasing. Der Kunde leiht sich für einen monatlichen Betrag den Roller und bekommt ihn samt Versicherungskennzeichen, Helm und Schloss. Wenn der Scooter nicht mehr gefällt, kann er zurückgegeben werden, womit der Vertrag endet. Hinzu kommt die Annehmlichkeit, ihn bei Problemen gegen ein Austauschgerät eintauschen zu können. Wer den Scooter hingegen behalten möchte, kann ihn später gegen Zahlung der Restsumme erwerben.

Der größte Vorteil dieses Modells ist aus Kundensicht, dass er erstmal gründlich testen kann, ob der Scooter sich wirklich gut in seinen Alltag einfügt. Oder ob er am Ende nur herumsteht und dafür viel zu teuer ist. Wer das binnen eines Jahres herausfindet, hat immer noch etwa nur halb so viel ausgegeben wie für ein Kaufgerät. Und da – erst recht in Corona-Zeiten – unklar ist, ob der Trend in diesem Jahr anhält, sind die Wiederverkaufschancen durchaus mit einem Fragezeichen zu versehen.

In Anbetracht der im vergangenen Jahr noch schwierigen Liefersituation war das Angebot im September vergangenen Jahres zunächst völlig überzeichnet, zumal Erstkunden nochmal 10 Euro weniger zahlen. Ich hatte jedoch Glück und bekam das Modell SXT Max, das auch von vielen Verleihern in den Großstädten genutzt wird.

Die Verfügbarkeit der Roller ist mittlerweile deutlich besser. Allerdings hat Otto Now die Bedingungen für das Leasing verändert, wodurch es im Vergleich zum Erstangebot deutlich teurer geworden ist. 49 Euro pro Monat zahlt nur, wer sich für 24 Monate bindet (Stand: Mai 2020). Wer kürzere Mindestmietzeiten haben möchte, zahlt monatlich deutlich mehr.

Der E-Scooter SXT Max macht auch in der dunklen Jahreszeit eine gute Figur.

Das Fahrgerät

Das maximale Tempo ist bei allen zugelassenen Scootern gleich: Höchstens 20 km/h dürfen sie fahren. So schreibt es das Gesetz in Deutschland vor. Unterschiede findet der Nutzer vor allem in der Tragfähigkeit (hier: 125 kg), der Rädergröße (10 Zoll) und der Reichweite (40 bis 45 Kilometer). Hier kann das über 1000 Euro teure SXT-Gerät mit guten Werten überzeugen, wenngleich die tatsächliche Reichweite natürlich immer von Witterungsbedingungen und Nutzung abhängt. Wie bei E-Autos sind die Reichweitenwerte des Herstellers Optimalangaben. Wer den Roller ausreizt – und deshalb möchte man ihn ja fahren -, sollte sich auf niedrigere Reichweiten einstellen.

Per Ladegerät wird an der Steckdose aufgeladen. Ein kleines LCD-Display zeigt Akkustand, Tempo und Einstellungen an. Etwas irritierend ist, dass niemals 100 Prozent erreicht werden. Schade ist auch, dass der Ladestand nicht per Smartphone abgerufen werden kann. Aber dazu später noch mehr.

Mit fast 20 Kilogramm ist der Roller kein Fliegengewicht. Die Lenkstange kann per Hebel umgeklappt werden. Dadurch ist er leichter durch Treppenhäuser zu manövrieren, aber ein Kinderspiel ist das aufgrund der Schwere trotzdem nicht. Die Fussplatte ist recht breit und damit komfortabel in der Nutzung. Der Roller wirkt sehr stabil und es wackelt nichts.

Das Fahrgefühl

Der Roller kann in drei Geschwindigkeitsstufen gefahren werden, wobei es wenig wahrscheinlich ist, dass ihn viele noch weiter als 20 km/h drosseln. In unserem mehrmonatigen Text erreichte der Roller selbst dieses Tempo nur selten. Meist bewegt er sich mit 17 bis 19 km/h fort. Das ist allerdings je nach Untergrundbeschaffenheit auch schon recht schnell.

Trotz rudimentärer Federung ist der Bodenkontakt schon sehr unmittelbar. Herausragende Steine auf Radwegen oder Bordsteinkanten übertragen sich nahezu eins zu eins auf den Fahrer. Mit zwei Handbremsen kann das Roller kraftvoll zum Stillstand gebracht werden. Eine Drehklingel verschafft dem höchstens leise surrenden Gefährt Gehör.

Das einzigartige Fahrgefühl von E-Scootern ist schwer zu beschreiben. Es ist geprägt von Leichtigkeit und der Unmittelbarkeit zum Boden. Vermutlich deshalb fahren einige auch sehr riskant damit. Eine defensive Fahrweise ist empfehlenswert. Und selbst dann macht das Modell von SXT großen Spaß. Was fehlt, ist eine Transportmöglichkeit für Gegenstände wie Einkäufe. Hier muss auf einen Rucksack zurückgegriffen werden.

Smartes Fahren?

Enttäuschend ist der SXT Max bei den smarten Funktionen. Genau genommen ist gar nichts an diesem Roller smart: Während die Mietroller in den großen Städten etwa per Smartphone aktiviert und verriegelt und den den Verleihern per GPS lokalisiert werden können, kann der Leasingroller nicht einmal seinen Ladestand, statistische Daten zur Fahrt oder sonstiges an ein Smartphone übermitteln. Damit ist er technisch so fortschrittlich wie ein Fahrrad mit einem Digitaltacho der 1990-er-Jahre. Das ist vereinfacht gesagt enttäuschend!

Das Fazit

Die Frage, ob der E-Scooter nur eine Eintagsfliege war, wird sich erst nach diesem Sommer mit seinen erschwerten Bedingungen sagen lassen. Ein Wintergefährt ist er nur bedingt, obwohl auch rutschige Blätter im Herbst kein No-Go beim Fahren waren.

Aber genau hier erfüllte das 2019-er-Angebot von Otto Now die Erwartungen, nämlich, das zu zahlende Lehrgeld zu reduzieren. Der Nutzer erhält dafür einen wertigen Roller und eine gute Unterstützung. So kam pünktlich im Februar das neue Versicherungskennzeichen zum Aufkleben. Ob wir im Jahr 2021 noch ein weiteres kleben werden, wird sich zeigen.

Ist das Leasing zu empfehlen? Mit Blick auf die neuen Bedingungen im Mai 2020 nur bedingt. Wer für zwei Jahre zum günstigsten Monatspreis least, kann den Roller eigentlich auch besser gleich selbst kaufen. Für kürzere Mindestmietzeiten kann sich das Leasing dagegen rechnen, um einen Ersteindruck zu bekommen. Ein Angebot, das vor allem für Unsichere interessant sein könnte.

Eine Antwort auf „Otto Now E-Scooter im Test: Rock’n’roll?“

  1. Sehr interessanter Bericht! Vielen Dank dafür.

    Ich habe selbst lange versucht an einen der beiden Otto-Roller zu kommen, allerdings eben auch im ersten Leasing-Modell.

    Das neue Modell von Otto finde ich, wie im Text bereits klar genannt, eher unattraktiv. Ähnlich wie Groover und Co. hat man die kompletten Fahrzeugkosten annähernd in einem Jahr abbezahlt und somit eigentlich nicht mehr als eine klassische Finanzierung.
    Die Option das Gerät einfach sehr flexibel zu mieten bis man nicht mehr möchte – zu einem damals sehr attraktiven Preis – und es am Ende sogar behalten zu können, wenn man möchte, war das beste aus zwei Welten.
    Jetzt hat man die beiden Vorteile verloren. Bsp Ninebot MAX G30D:
    49,90€ gibt es noch auf 24 Monaten Laufzeit. 1197,60€.
    Bei Media Markt gibt es den Roller für 739€.
    Man kriegt also annähernd 2 davon.
    (59,90€/Monat auf 12 Monate sind 718,80€ – also ebenfalls fast ein kompletter Roller)
    Inwiefern der Abkauf der Produkte funktioniert und welche Preise OttoNow veranschlagt muss wohl nach FAQ individuell nach Produkt besprochen werden.

    Schade, so wirds wohl doch einfach ein Kauf.

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