Podcasten leicht gemacht

Es gibt ein neues Buch über das Podcasten

Von Larissa Vassilian gibt es diesen wunderbaren Tipp für das Podcasten, der es glücklicherweise auch in ihr neues Buch geschafft hat: Wenn es in der Wohnung hallt, setzt man sich mit seinem Mikrofon einfach in den Kleiderschrank. Schon sind die Tonprobleme behoben. So hat sie es selbst gemacht, als sie von 2005 bis 2015 den Podcast “Schlaflos in München” aufnahm. Und es ist ein Tipp, der bis heute nicht an Wert verloren hat.

Podcasten: Der neue Hype nach Blogs & YouTube

BuchcoverPodcasten ist tatsächlich so einfach – und doch so schwierig, wenn man eine bestimmte Qualität abliefern möchte. Momentan ist das Radiomachen fürs Netz, das sich dabei völlig freimacht von den klassischen Regeln des Radios,  aber vor allem schwer  im Trend. Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, Medienhäuser und Freizeit-Podcaster buhlen gleichermaßen um die Gunst der Hörer. Es gibt kaum ein Thema, zu dem es keinen Podcast gibt. Der Hype erinnert an andere Trends wie das Bloggen oder die Blütezeit der YouTube-Stars. Dabei ist die Idee  des Podcastens schon mindestens 14 Jahre alt – daher rührt auch der Name, der sich aus Pod in Anlehnung an den Apple-Musikabspieler iPod und Broadcasting (Übertragen) zusammensetzt. Weltweit ist der Podcast-Zug kurioserweise erst seit einigen Jahren so richtig in Fahrt gekommen.

Doch obwohl so viele derzeit über das Podcasten reden, ist die Literatur darüber dünn gesät. In Deutschland hat kaum jemand so viel Erfahrung mit dem jungen Medium wie Larissa Vassilian, die als Journalistin und Podcasterin der ersten Stunde sowohl das klassische als auch das moderne Handwerk perfekt beherrscht. In diesen Genuss kommen auch die Leser des 424 starken Buches aus dem Rheinwerk-Verlag, das traditionelle Regeln des Journalismus ebenso lehrt wie die Frage, was es braucht, um bei iTunes aufzutauchen oder welches Mikrofon das Beste ist. Garniert wird die Theorie mit vielen Praxisbezügen und ausgewählten Beispielen. Auch der Autor dieses Artikels findet an einer Stelle mit seinem eigenen Podcast und der dazugehörigen App Erwähnung.

Es gibt keine reine Lehre

Obwohl es nicht die reine Lehre zum Podcasten gibt und so unglaubliche viele Variationen in der Produktion möglich sind, gibt das Buch einen sehr umfassenden Überblick, der alle wesentlichen Aspekte und darüberhinaus auch etliche Details berührt. Ein eigenes Kapitel haben Unternehmenspodcasts erhalten, was sicherlich die Zielgruppe des Buches noch etwas erweitern soll, in der Praxis aber hierzulande noch zumindest in der Gunst der Nutzer relativ am Anfang steht.

Deutlich wird aber erfreulicherweise auch, worauf es neben allen technischen Spezifikationen beim Podcasten am meisten ankommt: Passion. Die Menschen sind nämlich zurecht sehr wählerisch, welche Stimme sie auf dem Weg zur Arbeit, beim Bügeln oder abends im Bett in ihren Kopf vorlassen. Ein jeder muss sich nur mal selbst fragen, nach welchen Kriterien er oder sie seine Podcasts auswählt. Neben inhaltlichen und akustischen Kriterien ist es zumeist vor allem Sympathie. Man hört einfach gerne Menschen zu, die über das Gleiche lachen können, die amüsieren und inspirieren.  Aber bei aller Liebe: Der Rest muss natürlich auch stimmen.

“Podcasting!” hat das Zeug zum Standardwerk über das Podcasten zu werden. Vorher mussten Interessierte diese Informationen mühevoll aus verschiedenen Internetquellen gewinnen und für sich sortieren. Für einen Preis von 30 Euro können sich Interessierte nicht nur viel Zeit sparen, sondern bekommen zudem ein Buch zu lesen, das gut geschrieben ist und Lust auf das Podcasten bereitet. Eine Stärke ist auch, dass es neben all den Vorzügen dieser wunderbaren Leidenschaft nicht die Schwierigkeiten verschweigt und klare Empfehlungen wie die am Ende gibt: Wenn ein Podcast keinen Spaß mehr macht, sollte man auch den Mut haben, ihn einzustellen.

Larissa Vassilian: Podcasting!, Rheinwerk Verlag, 424 Seiten, 2018, 29,90 Euro (Paper) & 26,90 Euro (E-Book)

Rezension – Raspberry Pi: Der praktische Einstieg

Raspberry Pi: Der praktische EinstiegMeine erste Internetverbindung stellte ich 1996 noch unter Windows 3.11 mit Trumpet Winsock her. Das Modem musste ich mittels des Kommandos ATDT (zum Wählen) selbst ansteuern. Und was eine PPP-Verbindung ist, gehörte auch zum Grundwissen.

Wer heute mit Technik aufwächst, erlebt eigentlich perfekte Zeiten, weil er oder sie Technik nutzen kann, ohne erstmal zu verstehen, wie sie funktioniert. In den Pionierzeiten des PCs war das noch anders. Wer damals unter DOS arbeitete oder Mitte der 1990er gar ins Internet wollte, kam um Hard- und Softwarekenntnisse nicht herum.

Doch diese veränderten Bedingungen haben auch ihre Nachteile. Wer nicht mehr weiß, wie die Technik im Hintergrund funktioniert, kann auch schwieriger Probleme lösen. Und Hand aufs Herz: Das Tüfteln machte ja auch eine Menge Spaß.

Mit dem Raspberry Pi ist offenbar das Interesse an den Vorgängen im Gehäuse wieder sprunghaft gewachsen. Der Einplantinenrechner erlaubt das spielerische Kennenlernen von Kommandozeilen, Programmiersprachen und Hardwareaufbauten. Das Spektrum der Möglichkeiten ist nahezu unbegrenzt, wie mannigfaltige Basteleien im Netz zeigen. Aber ebenso schwierig ist es folglich auch, ein Buch darüber zu schreiben, das diesem Technikbaukasten gerecht wird.

Daniel Kampert hat sich der Herausforderung gestellt. Mit seinem Buch „Raspberry Pi – der praktische Einstieg“ (19,90 Euro), das im Rheinwerk Verlag (ehemals Galileo Press) erschienen ist, führt er auf 359 Seiten indie facettenreiche Welt des Bastelcomputers ein. Und um das Fazit vorwegzunehmen: Genauso wie der Raspberry Pi Grundlage für viele tolle Technikideen ist, bereitet das Buch dem Nutzer den Weg, diese in die Tat umzusetzen.

Zunächst wird die Installation des Linux-Betriebssystems beschrieben, um dann wesentliche Grundlagen der Open-Source-Software zu vermitteln. Wer mit dem Pi nichts erfinden, sondern ihn zum Beispiel als Mediacenter einsetzen möchte, findet auch entsprechende Anleitungen.

Wirklich spannend ist es aber vor allem, selbst etwas zu erschaffen. Die nötigen Grundkenntnisse in der Programmiersprache Python er- möglichen den Einstieg. Der reich bebilderte Hardwareteil mit dem Aufbau von Schaltungen lässt dann auch LEDs aufleuchten oder Kameralinsen Fotos machen. Wer sich dort durchgearbeitet hat, fürchtet auch Schnittstellen wie GPIO und UART nicht mehr.

Unter dem Strich gibt es natürlich viel mehr zu lernen und zu vertiefen. Wer jedoch einen Pi vor sich liegen hat, ohne zu wissen, was damit möglich ist, oder wer mit dem Kauf liebäugelt, der findet in diesem Buch einen guten Begleiter für die erste Zeit.

Rheinwerk Verlag: Raspberry Pi – der praktische Einstieg, 19,90 Euro 

Amazon Kindle Paperwhite (2013) im Test

Amazons weiterentwickelter Kindle Paperwhite zeigt, dass die Entwicklung der E-Reader weit gediehen ist. Die Technik ist so weit, dass Verbesserungen  kaum noch auffallenJetzt fehlt eigentlich nur noch die Farbe im Spiel.

Amazon Kindle Paperwhite
Amazon Kindle Paperwhite

Der Kindle Paperwhite von Amazon spielt bei den E-Book-Readern in einer vergleichbaren Liga wie das iPad von Apple bei den Tablets. Preislich gibt es günstigere Alternativen, das so genannte Eco-System (Hardware, Software, Drittinhalte) bewegt sich in einem geschlossenen Rahmen und trotzdem – oder gerade deswegen – gibt das Gerät in seinem Genre den Ton an.

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Internet-Meme: Katzenbilder, Kalauer und Kanzlerkandidaten

Internet-MemeFür all jene, die nicht wissen, was ein Internet-Mem ist, gibt es ein schönes Beispiel der jüngeren Vergangenheit: Überall im Internet kursierte das Foto von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der für ein Magazin plakativ den Mittelfinger ausstreckte. Das Bild war in sozialen Netzwerken ein Renner – für Nutzer gab es kaum ein Entkommen. Solch ein viral verbreitetes Bild nennt man Mem, in der Mehrzahl Meme.

Andere Meme sind Dauerthemen in Facebook, Twitter & Co: Die allseits beliebten Katzenbilder zum Beispiel, gute und schlechte Scherzfotos. Meme können aber auch Bewegungen sein, wie etwa die Aufschrei-Kampagne bei Twitter. “Meme sind eine mächtige Kulturform im Internet”, resümieren die Autoren “Erlehmann & Plomlompom”, die unter Pseudonym das Buch Internet-Meme kurz & geek geschrieben haben, das im O’Reilly-Verlag erschienen ist.

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Buchrezension: Grundkurs C++

9783836222945Grundkurs C++ – das klingt nicht spannend, doch der Buchtitel trifft den Ton, den Autor Jürgen Wolf anschlägt: Klar und direkt geht es zur Sache. Keine der 447 Seiten wird für Unnötiges verschwendet.

Dabei ist zunächst zu sagen, dass sich der Markt der Programmierbücher mittlerweile in zwei Sparten einteilt: Die Praxisbücher, die an konkreten Beispielen spielerisch an die Sprachen heranführen, dafür aber in Kauf nehmen, viele Details nicht zu erläutern. Und die so genannten Referenzbücher, wozu auch dieser Titel gezählt werden kann, die eher die Funktion eines Nachschlagewerks einnehmen, also für Lernwillige nicht unmittelbar zu greifbaren Ergebnissen führen.

In diese Sparte fällt auch der Grundkurs C++. Gleich zu Beginn wird deutlich gemacht, dass der Leser am Ende kein fertiges GUI-Programm oder einen eigenen Linux-Kernel erwarten sollte. Dafür sind weitere Buchkäufe nötig. Dafür führt das Buch kurz und knapp in wesentliche Bereiche der Sprache ein, erklärt Syntax und gängige Funktionen, die Programmierern nicht nur bei C++ hilfreich sind, sondern – artverwandt – auch bei PHP, Java, Objective C und anderen Programmiersprachen.

Variablen, Funktionen, Arrays und selbst die OOP (Objektorientierte Programmierung) sind für den Leser anschließend keine Fremdwörter mehr. Einen gewissen Platz nimmt das Eingehen auf Feinheiten der Version 11 von C++ ein. Besonders im weiteren Verlauf steigt das Niveau aber rasch an, so dass zum Beispiel Anfänger bei der OOP gerne noch zu vertiefender Literatur greifen werden.

Nun ist die Frage, ob das Internet Referenzbücher nicht überflüssig gemacht hat. Tatsächlich gibt es zahllose Onlinedokumente mit Funktionsbeschreibungen. Und wem das zu abstrakt ist, der kann sich durch Foren wie Stackoverflow kämpfen und findet auf jedes Problem gleich mehrere Lösungen.

Deshalb ist es auch eine Frage des Preises, ob sich der Buchkauf lohnt und hier spricht das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei nur knapp zehn Euro eindeutig für das vorliegende Buch. Besonders für Anfänger dürften viele Fragen schneller zu beantworten sein als bei der Foren-Suche. Für Fortgeschrittene mit speziellen Fragen ist es möglicherweise aber tatsächlich effizienter, im Netz zu suchen.

Hier kann das Buch direkt bei Amazon gekauft werden:
Grundkurs C++: C++-Programmierung verständlich erklärt (Galileo Computing)

Hilfe für iPad-Einsteiger: Das neue iPad in der Praxis

“Das neue iPad in der Praxis” heißt ein 432 Seiten starker Leitfaden für Besitzer des iPads der dritten Generation. Das mit vielen Bildern illustrierte Buch richtet sich ausdrücklich an Anfänger. Gerade wer unsicher im Umgang mit Technik ist, wird an dem Buch gewiss seine Freude haben.

Das neue iPad in der Praxis

Das iPad erklärt sich von selbst. Das war von Anbeginn Apples Ansatz – und zumindest was die Inbetriebnahme angeht, ist dem auch nicht viel entgegen zu setzen. Die Ersteinrichtung ist kinderleicht und seit nicht einmal mehr ein Computer mit iTunes benötigt wird, noch einfach geworden. Das macht das Tablet bekanntlich auch für Menschen interessant, die mit Computern und Technik sonst nicht viel am Hut haben, aber ebenfalls in den Genuss von Webbrowsen, E-Mails und digitalen Medien kommen wollen.

Die Probleme fangen dann an, wenn zum Beispiel eine App gelöscht werden soll. Dass dazu der Finger nur längere Zeit auf das Programmsymbol gedrückt werden muss, um anschließend das kleine X in der oberen linken Ecke anzutippen, leuchtet zwar ein, wenn man es erstmal weiß. Doch der Weg dorthin ist gerade für den vollkommen unerfahrenen Nutzer erstmal steinig. Wer nicht weiß, was er tut, ist bekanntlich auch vorsichtiger als andere Zeitgenossen. Das trifft zumindest für ältere Nutzer zu. Schnell setzt Verzweiflung ein.

Damit tut sich eine Marktlücke für Buchautoren auf, der sich der Autor Daniel Mandl vom Verlag Mandl&Schwarz mit dem Buch „Das neue iPad in der Praxis“ angenommen hat. Zusammen mit Michael Schwarz hat Mandl vor einigen Jahren schon die Umsteigefibel von Windows zum Mac geschrieben, zu einer Zeit, als sich beide Lager noch recht unversöhnlich gegenüberstanden. Mittlerweile sind viele Windows-Nutzer zum Mac migriert und nutzen aber trotzdem noch Windows, indem sie es via Boot Camp oder als virtuelle Maschine auf dem Mac betreiben.Die zugrunde liegende Philosophie der Umsteigefibel, wenig Wissen vorauszusetzen und unvoreingenommen an das Thema heranzugehen, fand auch beim iPad-Buch Anwendung.

Der Autor benennt zum Beispiel auch, was Apple nicht so gelungen ist (und vielleicht mit kommenden iOS-Versionen verbessern sollte). Das 432 Seiten starke Buch enthält viele Abbildungen und liefert angenehm kurze, gleichwohl aber verständliche Erklärungen. Es umfasst alle wesentlichen Funktionen des iPads, von der Ersteinrichtung über E-Mails, E-Paper-Anwendungen, Musik, Videos, iCloud, Fotos bis hin zu Zubehör.

Wer alle Kapitel durchgearbeitet hat, hat hinterher auch alle gebräuchlichen Bedienungsmuster beim iPad kennengelernt und sollte somit auch mit anderen Anwendungen zurechtkommen. Hier und da wird auch mal eine hilfreiche App vorgestellt. Angesichts der Vielzahl möglicher Apps wirkt die Auswahl allerdings etwas willkürlich.

Fortgeschrittene Anwender werden aus dem 24,80 Euro teuren Buch nicht so viele neue Erkenntnisse ziehen können. Anfänger, die eine Unsicherheit verspüren, werden sich über diesen Begleiter jedoch freuen.Zwar gibt es trotzdem noch Situationen, die iPad-Käufer ins Schwitzen bringen können, wie etwa das Vergessen des eigenen WLAN-Passworts. Die Vielzahl möglicher Fragen ist jedoch durch das Buch bestens abgedeckt.

Mehr Informationen: www.mandl-schwarz.com/12/ipad/ 

Inside Apple

Das Buch “Inside Apple” von Adam Lashinsky ist in den vergangenen Wochen bereits mehrfach auf meiner Themenliste gelandet. Verschiedene Internetseiten haben bereits Ausschnitte veröffentlicht (z.B. hier), die sich zum Teil recht spektakulär lesen.

In einem Kapitel geht es etwa um die geheimen Räume von Jony Ive, in denen es eigens Angestellte geben soll, die das Verpackungsdesign für neue Apple-Produkte ausprobieren. Tausende Kartons, bis das perfekte Auspackerlebnis erreicht wird.

Wäre diese Abteilung nicht so geheimnisvoll, würde vermutlich kaum einer mit der Wimper zucken. Doch das Geheimnisvolle bei Apple ist meines Erachtens nicht nur Selbstschutz, sondern auch Teil des Marketings. Nicht ohne Grund ähneln die Keynotes, auf denen neue Produkte präsentiert werden, auffallend einer Weihnachtsbescherung.

Wer es, wie ich, noch nicht geschafft hat, das Buch zu lesen, bekommt jetzt einen weiteren Vorgeschmack. Adam Lashinsky war bei LinkedIn zu Gast und stand dort Rede und Antwort zu seinem Buch.

‘Inside Apple’ author Adam Lashinsky discusses Apple secret-keeping and corporate life | 9to5Mac | Apple Intelligence.

iBooks 2, iBooks Author, iTunes U App

Fassen wir den heutigen Apple-Pressetermin in New York einmal zusammen:

  • iBooks 2 ist als kostenloses Update für iPad und iPhone erschienen: Wie erwartet widmet sich Apple nunmehr den Lehrbüchern, wofür die neue Version die nötigen Fähigkeiten mitbringt. Lehrbücher sollen künftig für unter 15 Dollar im iBookstore abrufbar sein. Apple kooperiert mit namhaften Schulbuchverlagen in den USA und hofft, das Papierbuch mittelfristig ablösen zu können.
  • iBooks Author ist das erhoffte Programm, mit dem künftig jedermann selbst E-Books erstellen kann. Vom Aufbau her ähnelt es der iWork-Software. Kostenlose Bücher können auch außerhalb des iBookstores weitergegeben werden. Für kostenpflichtige Bücher gilt das gleiche Verfahren wie für Apps: Sie müssen bei Apple eingereicht werden und erscheinen nach bestandener Prüfung im Store. Die Autoren müssen 30 Prozent vom Umsatz abgeben. Die Software ist kostenlos im Mac App Store verfügbar.
  • iTunes U App erweitert das bisherige universitäre Filmangebot. Diese App war im Vorfeld nicht erwartet worden. Sie soll es ermöglichen, weitere Informationen und Dokumente bereitzustellen.

 

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass Apple genau das gemacht hat, was im Vorfeld schon erwartet wurde: Der Einstieg in das E-Learning-Geschäft macht aus mehrerlei Hinsicht Sinn für den IT-Konzern.

Das Problem mit veralteten Schulbüchern ist ja kein Neues. Die elektronische Verbreitung macht alleine deshalb schon Sinn, um Lehrmaterialien flexibel anpassen zu können. Nicht zuletzt entfällt viel Ballast für die Schüler und Studenten, deren Interesse durch eine zeitgemäße, multimediale Präsentation wahrscheinlich eher geweckt wird, als durch staubtrockene Textbücher. Umgekehrt besteht aber auch die Gefahr, dass sich die Lehrbücher in multimedialen Spielereien verlieren, wie wir es gerade bei manchem E-Magazin erleben.

Für Apple gibt es aber handfeste wirtschaftliche Gründe, die wahrscheinlich eher den Ausschlag gegeben haben, diesen Weg zu gehen:

1.) Wer Kinder und Jugendliche mit iBooks groß zieht, hat später viel bessere Chancen, ihnen ein iPad zu verkaufen. Ganz abgesehen davon, dass die Schulen – nach der Vorstellung Apples – die Geräte für ihre Schüler beschaffen müssten, was im Hier und Jetzt den Absatz beflügeln würde.

2.) Da iBooks ein geschlossenes System ist, besteht auch keine Gefahr, dass ein anderer Anbieter in den Markt eindringt. Sind die Verlage erstmal auf der Seite Apples, ist ein Markteintritt für andere kaum noch möglich. Mit dem denkbar einfachen Tool zum Erstellen der Bücher hat Apple zudem die Einstiegsschwelle für Autoren deutlich gesenkt.

3.) E-Learning würde E-Books gesellschaftsfähig machen, die selbst bei Nerds immer noch auf Skepsis stoßen. Die Haptik eines analogen Buches möchte man ja eigentlich doch nicht missen. Wer jedoch mit E-Books aufwächst, hat weitaus weniger Berührungsängste.

Nun tritt mit der heutigen Ankündigung ja nicht gleich ein radikaler Wandel ein. Der Bildungsapparat ist, wie man auch hierzulande weiß, um Längen behäbiger als es Privatanwender je sein werden. Und nicht alles, was Apple in der Vergangenheit angefasst hat, wurde automatisch zu Gold. Aber die heute vorgestellte neue Richtung war ein intelligenter Schachzug, ohne Frage.

Rezension: Steve Jobs — die Biografie

Es gab im Leben von Steve Jobs viele, die sich berufen fühlten, über ihn zu schreiben und seinen Werdegang zu beurteilen. Dem Journalisten Walter Isaacson wurde nicht nur die Ehre zuteil, als erster und einziger autorisiert über Jobs’ Leben eine Biografie schreiben zu dürfen – der Gründer des mittlerweile wertvollsten IT-Konzerns der Welt habe ihn sogar persönlich darum gebeten. Und Isaacson lehnte ab, schreibt er in seinem Vorwort. Unerhört. Aber möglicherweise war das gerade der Grund, warum Jobs ihn auserwählt hatte.

Die Frage, die sich einem vor dem Lesen einer Biografie über eine so bekannte Person wie Jobs stellt, ist natürlich die, ob es überhaupt noch etwas gibt, was man über den Apple-Gründer nicht weiß.

Kurioserweise sind gerade die Kapitel über die jüngere Vergangenheit die erkenntnisreichsten, weil Jobs im Angesichte der steigenden medialen Aufmerksamkeit eine immer größere Geheimniskrämerei um sein Leben und die Firma aufbaute. Sind die Anfänge der Apple Computer Inc., die Jobs mit seinem Namensvetter Steve Wozniak (“The Woz”) gründete, hinreichend bekannt, staunt der Leser über den Blick hinter die Kulissen der Entstehung von iPod, iPhone und iMac.

Doch auch die Anfänge sollten nicht vernachlässigt werden. Wie konnte aus dem Adoptionskind Jobs, der zwar hochintelligent, aber auch sehr neben der Spur war, einer der erfolgreichsten Unternehmer der Welt werden? Es gab Zeiten, in denen Jobs Dusche und Deo fremd waren, schreibt Isaacson. Zeiten, in denen er barfuß in Firmen wie Atari hineinspazierte und nicht mehr gehen wollte, bis sie ihm eine Anstellung gaben.

DIe umfängliche Darstellung der Pionierzeiten in der IT-Industrie zeigt aber gerade, dass das, was Jobs bis zuletzt ausmachte, bei ihm immer schon in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden war: Der unbedingte Wille zur Perfektion, ein immenser Eifer, aber auch stetes Hinterfragen, sei es bei sich persönlich, was unter anderem zu spirituellen Phasen führte, oder im Geschäft, wo er die IT-Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf stellte.

Walter Isaacson zeichnet ein insgesamt ziemlich ausgewogenes Bild von Jobs. Das Buch ist für IT-Interessierte gleichermaßen interessant, wie für Menschen, die sich für außergewöhnliche Persönlichkeiten interessieren. Wer sich viele Details über die Entscheidungsfindung bei den Produkten erhofft, wird allerdings etwas enttäuscht sein. Der Fokus liegt auf den Personen, weniger auf der Technik. Mitarbeiter teilte Jobs in Genies und Schwachköpfe ein, deren Arbeit war entweder gut oder schlecht. Sagenumwoben ist auch das so genannte “Reality Distortion Field” (Realitätsverzerrungsfeld), das Jobs laut vieler seiner Mitarbeiter umgab. Er redete sich seine Welt manchmal nicht nur zurecht, sondern glaubte selbst dermaßen daran, dass bald auch die Menschen um ihn herum begannen, daran zu glauben.

Am Ende hat ihn die Realität eingeholt. Den Krebs, den er wie einst eine ungewollte Schwangerschaft seiner Schulfreundin, einfach nicht wahrhaben wollte, ließ sich nicht einfach aus der Welt verdrängen. Die spät eingesetzten umfangreichen Bemühungen verhalfen Jobs noch zu einigen Jahren, die er – sich selbst treu bleibend – intensiv nutzte. Mancher Mensch würde in 150 Jahren nicht schaffen, was Jobs in 56 vollbrachte.

Bei Amazon.de kaufen: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers